Falling down

Sonntag, 28. Juni 2009 10:15

Nach dem Kurs ließ es sich vor vier Wochen trotz allem nicht vermeiden, mit ihm zusammenzutreffen; er wartete mit seinem Fahrrad auf mich, während ich, schwer mit Laptop und Ordner bepackt, eine Gelegenheit suchte, ihm aus dem Weg zu gehen. Die nicht bestandenen Nachholprüfungen lasteten wie ein Stein auf ihm, er hatte den Kurs ja staatlicherseits komplett finanziert bekommen, und weit und breit fand sich – im Gegensatz zum vorherigen Jahr – niemand, der sich intensiv mit seinen ganz speziellen Verständnisproblemen und dem Lernstoff auseinandergesetzt hätte. Auch mich hatte er mit seinen wiederholten persönlichen Angriffen vergrault, so dass wir uns im zweiten Jahr unseres Kurses allerlei Scharmützel lieferten. Zuletzt herrschte so etwas wie ein brüchiger Waffenstillstand. Ich suchte mein Heil im Rückzug, um zumindest etwas zu tun, um ein Signal zu setzen, um eine Grenze zu ziehen.

Nachdem er mich aufgehalten hatte, kam er ohne Umschweife zur Sache: “Wir haben doch einen Konflikt, und wir müssen darüber reden. Du kannst ihn nicht totschweigen.” Ich sagte, wir könnten uns gerne jetzt unterhalten, wenn er das wolle, jetzt hätte ich zufällig Zeit, ich hätte aber eigentlich keine Lust, meinen Standpunkt zu erklären, und würde auch in Zukunft mein Verhalten ihm gegenüber nicht ändern. Alles habe begonnen, als er im August vergangenen Jahres I. im Unterricht völlig grundlos angefahren und sie sich von ihm bedroht gefühlt habe. Zu I.: “Ja, ich habe nur gemerkt, da drängt sich eine Frau zwischen uns.” und: “Du machst es dir leicht. Nur weil mal jemand was gesagt hat, ziehst du dich sofort zurück.” Was denn bei unserem Gespräch herauskommen solle, fragte ich ihn. Was erwarte er von mir? Wolle er mich zwingen, mich mit den von ihm so empfundenen Konflikt auseinanderzusetzen? “Vogel, friss oder stirb!” sagte ich ihm schließlich, drehte mich um und ließ ihn grußlos dort stehen, ohne ihn noch eines weiteren Blickes zu würdigen. Er rief mir nach: “Ja, DU musst ja solche Sätze nicht verdauen…” Ich wußte: wenn er mich zuvor nicht gehasst hatte, würde er es sicher jetzt tun.

Gestern schmiss er seinen Bergsteigerrucksack an die Wand, unterhielt sich, angespannt und nervös, mit dem Dozenten und tänzelte wie immer, wenn er als Kurssprecher etwas Wichtiges zu verkünden hatte, vor dem Kurs herum. Ja, er wolle etwas sagen. Er gebrauche gerne Bilder vom Bergsteigen, und er habe versucht, drei Fünftausender zu besteigen (damit waren die drei Prüfungen des ersten Jahres gemeint), er habe offene Ziele, man sehe sich immer zweimal im Leben, und er werde schließlich den Kurs verlassen, was nicht bedeute, dass er jetzt aufgeben werde. Kurz davor empfing ich einen Blick von ihm, als sei ich persönlich an seinem Unglück schuld, und als würde er, wenn er die Mittel und die Macht dazu besäße, mich das spüren lassen. Er hatte bei seiner Abschiedsrede einen Kloß im Hals, die Tränen standen ihm in den Augen, er stockte mehrmals, vielleicht hätten wir Kerzen anzünden sollen. Ich saß in der Bank, betroffen, aber gleichzeitig überflutet von gehässigen Gedanken. Es war noch nicht vorbei.

Irgendwann in der Zukunft würde sich jene Szene wiederholen, die sich abgespielt hatte, bevor ich mit dem Kurs begonnen hatte. B. hatte mich bereits in der Infoveranstaltung zu unserem Kurs kennengelernt, und als ich irgendwann mittags mit einem Kollegen die Eingangshalle durchquerte, rief jemand von hinten meinen Namen und legte mir die Hand auf die Schulter.

Es war B. Er grinste.

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Brachland

Samstag, 11. Oktober 2008 0:15

Ich gebe es zu: mein Leben ist eine Prokrastinationswüste. Mein Blog liegt brach, meine Steuererklärung liegt brach, meine Projekte liegen brach, mein Leben liegt brach. Die Hoffnung, dass sich diese Wüste nach dem alles entscheidenden Datum 15. Oktober 2008 noch in eine blühende Landschaft verwandeln könnte, ist momentan nur wenig mehr als ein schmaler Silberstreif am Horizont. Und so konzentriere ich mich darauf, das in alle Himmelsrichtungen zerstreute Wissen beharrlich zusammenzukratzen und einen winzigen Teil davon zu behalten. Meine Festplattenkapazität ist sehr begrenzt, wie ich in den letzten Tagen mit ungläubigem Staunen immer wieder feststellen durfte. “Staub bist du, Mensch, und Staub wirst du wieder…” – heißt konkret: es is eh alles wurscht. Wer fragt schon nach der Note, wenn die Prüfung bestanden wurde? Wenigstens freue ich mich darauf, gemeinsam mit den anderen, die gerade ebenfalls die Grenze zum Wahnsinn austesten, nach dieser unvermeidlichen Schreibfolter das erste Jahr des Kurses zu begießen. “Kleinhirn an Großhirn…” Nein, das ist KEIN Buchungssatz.

PS: Freie Assoziation, aber: ich finde schon allein den Titel “Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin” toll. Ich werde mir das Buch auf jeden Fall zulegen. Endlich fühle ich mich nämlich entlarvt, und ich kann einfach ohne Verzögerungstaktiken drauflosarbeiten.
PS2: Unbedingt auch diese Seite besuchen…wenn ihr mal wieder was aufschieben wollt oder so.
PS3: Trotzdem: das hilft mir jetzt nur bedingt weiter.

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Ich, Speedy

Samstag, 27. Oktober 2007 17:18

Nachdem ich heute 8 Unterrichtsseinheiten lang VWL und BGB mit Anstand über mich ergehen ließ und einen unfreiwilligen Tip vom Dozenten erhielt, schüttle ich jetzt die “Shock-and-awe“- Parolen wieder ab und gehe zur Tagesordnung über. Eine hiesige Lerngruppe wurde kurzfristig ins Leben gerufen, die sich 2 Minuten über die Straße treffen wird – das kommt meiner Bequemlichkeit natürlich entgegen. Dann muss ich noch meinen Vertrag nach den genauen Bestimmungen zum lästigen und völlig überflüssigen AdA-Schein durchwühlen, bevor mich mit Einkaufen, Kochen und Fernsehen die ersten angenehmeren Ausläufer des Wochenendes erreichen. Das Material stapelt sich hier auf meinem Schreibtisch und verursacht noch ein angenehmes Gefühl. Meinen Chef habe ich heute nicht erspäht, obwohl er, wie ich aufgrund eines zufälligen Zusammentreffens gestern weiß, im gleichen Gebäude MBA-technisch Erleuchtung suchte. Vielleicht ist es auch besser so. Am Montag werde ich ihn sowieso nach drei Wochen Urlaub wiedersehen, fürchte ich. Edit: Es ist die Seuche. Diesmal ist es der Keilriemen der Waschmaschine.

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