Es war einmal ein Schmetterling

Es war einmal ein Schmetterling, der die Farbe seiner Flügel verloren hatte. Lange Zeit flog er unruhig hin und her, fand keinen Schlaf, und auch das Saugen des Nektars bereitete ihm keine Freude mehr. Jedem, den er traf, klagte er sein Leid; aber seine Freunde hatten nur ein Achselzucken für ihn übrig und flogen wieder weiter. Eines Tages, es war bereits sehr spät geworden, landete er auf einer goldenen Blüte vor der Höhle einer alten Erdkröte und schaukelte im Abendwind, ganz in seine traurigen Gedanken und in seine Sehnsucht versunken. Als er die Kröte aus ihrem Erdloch kommen sah, rief er ihr zu: „Ich hoffe, ich habe dich nicht gestört. Lass mich nur ein wenig Ruhe finden, bevor ich mich wieder auf den Weg mache.“ „Nein, du störst mich nicht, ich bin sogar froh, dich zu sehen. Ich bekomme doch sonst nur selten Besuch.“ Die Kröte kam näher heran und betrachtete voller Verwunderung die seltsam farblosen Flügel des Schmetterlings. „Wie ich sehe, ist dir ein sehr merkwürdiges Missgeschick widerfahren.“ „Ohja“, seufzte der Schmetterling. „Ich wüßte nur zu gerne, wie ich wieder farbige Flügel bekommen könnte.“ „Ich habe schon viel gesehen, gehört und erfahren. Schau, ich gebe dir diesen Rat: wenn du die Regenbogenfarben siehst und in deren Quelle fliegst, werden deine Flügel wieder strahlen vor Farbe.“ Der Schmetterling war überglücklich, als er das hörte. Und das Herz schlug ihm bis zum Hals, als er sich wieder von der Kröte verabschiedete. Noch am gleichen Abend begann er, nach den Regenbogenfarben zu suchen, von denen die Kröte gesprochen hatte. Als er in die Siedlungen der Menschen flog, sah er einen wundersamen Schimmer aus einer Hütte, der ihn magisch anzog. „Gleich“, sagte er sich, „gleich wird es soweit sein.“ Er flog taumelnd noch näher und erkannte die Farben des Regenbogens, die an der Wand der Hütte tanzten; es war ein sich im Schein einer Kerze drehender Kristall, der die Reflexionen hervorrief. „Wie wunderbar“, rief der Schmetterling und stürzte sich in das Licht, wo er kurz aufflammte und verbrannte.

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