Meine erste Autofahrt

Meine erste Autofahrt war bis dato auch meine letzte. Nach einem heftigen Absturz im „Roxy“ in S. war es meine damalige Freundin D., die mir für eine Testfahrt das Steuer ihres grünen Ford Fiesta überließ. Ich wagte mich todesmutig an die Strecke zwischen Ai. und Am., zwei gottverlassenen Nestern im niederbayerischen Outback. Die Strecke war etwa zweieinhalb Kilometer lang, und bis auf eine lange, geschwungene Kurve vor dem Ortseingang von Am. sah ich keine weiteren Probleme, zumal mich meine Freundin vor der Autofahrt aufmunterte: „Komm, du schaffst es! Es ist ganz einfach! Du wirst sehen!“ Ich hatte jedoch die unangenehme Neigung, bei den zwei Fahrzeugen, die uns auf der Gegenspur entgegenkamen, zu weit nach links zu ziehen, was meine Freundin bei Tempo 60 zu den hysterischen Schreien „Immer schön rechts bleiben!“ veranlasste. Ich fühlte mich gut. Die langgezogene Kurve fuhr ich fast schon wie ein alter Hase. Ha, ich konnte Auto fahren! Ich war ein Naturtalent! Und statt in Am. den Fuß etwas vom Gas zu nehmen, bretterte ich rasant und munter durch die von Bauernhöfen gesäumte, ziemlich kurze Dorfstraße. Am Ende riss ich das Lenkrad nach rechts und schaffte die erste 90°-Kurve, ohne Auto, Zaun und Insassen zu gefährden. Aber schon dräute in dieser seltsam lichtlosen Nacht die nächste Entscheidung: sollte ich halblinks auf die Todeskreuzung zufahren oder noch einen Schlenker nach rechts und nach links auf die Nebenstraße riskieren? Konfus entschied ich mich für letzteres und ließ den Wagen sanft ausrollen (oder ich würgte den Motor ab, so genau weiß ich das nicht mehr.) Meine Freundin starrte mich vom Beifahrersitz aus danach entgeistert an und fragte, Schweißperlen auf der Stirn: „Was war denn jetzt das?“ Ich zuckte die Achseln. Meine Güte, es war doch NICHTS passiert.

Überflüssig zu erwähnen, dass ich bis heute noch keinen Führerschein habe.