An einen Freund

Mittwoch, 28. März 2007 20:17

Ich ging wie immer den alten Feldweg an einer nassen Wiese entlang, auf dem wir uns so oft gemeinsam unseren Gedanken überlassen hatten, als ich von hinten deine Stimme hörte, die mich beim Namen rief. Ich drehte mich um und sah dich rasch näherkommen, aber deine Bewegung war nicht nach vorn gerichtet, sondern eher seit- oder sogar rückwärts. Du hattest eine hohe Stirn, ein breites, unrasiertes Gesicht, immer noch deine abstehenden Haare, die Nickelbrille, dein Atem flog, als hättest du mich verfolgt. Und, weißt du noch, als wir in der Kulisse saßen und auf unseren Auftritt warteten, von einer glänzenden Zukunft träumend, “Arm in Arm die Welt in die Schranken weisend”? Schweigend liefen wir nebeneinander her. Der Teich, der Schatten des Waldes, die braunen Felder. Von fern flimmerte der Horizont in einem eigenartigen Licht, der Weg glänzte wie eine dunkle, durchsichtige Eisfläche und gabelte sich, du riefst mir verzweifelt etwas zu, aber ich sah nur deine Hände vor dem Mund und hörte keinen Laut. Wenig später war ich auch schon betäubt und blicklos hinter der nächsten Wegbiegung verschwunden.

Thema: Die blaue Blume | Kommentare (0)
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