First shine

Das ist mein erster Text, nach einer langen Phase der Agonie und Sprachlosigkeit. Ich habe mich weit von meinen Anfängen entfernt, in denen alles verdeutlicht und in eine logische Abhängigkeit voneinander gebracht werden musste, dass ich mich jetzt fast scheue, einen Inhalt zu erzeugen und wieder ein weißes Tableau zu bemalen. Heute war ich kurz in der Stadt, die frühlingshafte Luft und der Sonnenschein trieben die Menschen auf die Straßen, ich liebte es, wie sie das ungewohnte, helle und warme Licht tranken, das schräg auf Dächer und in Gassen fiel. Am Boden tanzten die Schatten. Aber es war mir zu laut und zu anstrengend, um wirklich daran teilhaben zu können. Ich lachte, aber ich bin wie ein unbeweglicher Block, der vor Angst gefroren ist. Dort, wo sich mein Leben entscheiden könnte, erhalte ich keinen Zutritt – es ist, als wollte man sich vor mir schützen. Manchmal spüre ich noch einen kleinen Hauch von Gemeinschaft und Zusammensein, der mich zwar beflügelt, aber bald wieder verflogen ist, der dem Grau des Alltags nicht standhält und dem ich nicht mehr vertrauen kann. “Handle!” ruft man mir zu, “Arbeite!”, aber wenn ich ansetze, nimmt man mir das Werkzeug aus der Hand, “So nicht!”, weil ich ja mit meinen ungeübten Händen alles zerstöre, und entfalte ich meinen Plan, dann wird er zerschnitten, weil mein Denken ja durch und durch korrumpiert ist, und will ich nur da sein, dann tickt unerbittlich eine Uhr, und will ich nur für mich sein und nachdenken und ruhen, dann ist das so unerträglich, dass man wie ein Orchester durch die Stille fährt. Wie kann man diese Zeichen übersehen? Wie kann man nicht wissen, was einen dazu treibt, fern zu bleiben, ein Abwesender, ein Sehnsüchtiger, ein Einsamer? Du kennst tausend Götter und Religionen, aber jeder wirst du abtrünnig, und wenn du doch wieder glauben willst, erinnerst du dich nur an die Gründe, die dich in die Abtrünnigkeit führten, und unterlässt es, dich erneut anzuschließen. Nie kannst du dich vergessen, nicht für einen einzigen Moment. Immer bist du dir selbst präsent.