Ceres

Sonntag, 17. Januar 2010 0:41

Wie sahst du, Königin,
den Pluto, stillen Herrscher,
im Saume deines
bitterherben Kleids?
Seidentödliches Gespinst,
umflatterten dich die
Nachtfalter des Wahns?
Lös du den Bann und gib
dem Schicksalsflüchtling
Lethe zu trinken aus
dem Ratschluss der Götter.
Denn nur aus Mitleid
blickte er zurück auf
die zerschmetterte Ebene.

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Fremdländischer Duft

Sonntag, 19. April 2009 17:15

Wenn ich geschlossnen Augs in Abendglut
Einschlürfe deinen warmen Duft mit Beben,
Seh’ ich ein herrlich Ufer sich erheben
Aus einem Meer, drauf ewiges Leuchten ruht.

Ein schwellend Eiland, dem der Sonne Flut
Seltsame Bäume, saftige Frucht gegeben
Und schlanke Männer voller Kraft und Leben
Und Frauen, deren Blick voll Glanz und Mut.

Dein Hauch führt mich zu lieblichen Gestaden,
Im Hafen seh’ ich Schiff an Schiff beladen
Und von der langen Reise müd und schwer.

Ich schlürf den Duft von Tamarindenbäumen,
Der sich vermischt in meinen wachen Träumen
Dem Sang der Schiffer auf besonntem Meer.

Charles Baudelaire

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Venerae

Montag, 17. November 2008 19:14

Die Leuchtspur Einsamkeit,
Stein und Balken:
alles ist Heimat,
fernstes Sein
im Knistern der Zweige.

Aus den leeren Himmeln
der Städte ergießen sich
weltlose Schatten
in Gassen,
bestäubt von Asche.

Und zwischen den
todesheiseren Schlachten
formt sich im Mund
die klirrende Stille
zu einer Bitte.

Zu einem Abgott.

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Epiphanie

Mittwoch, 1. Oktober 2008 23:10

Im hellen Passionsduft der Mondsicheln
erglüht das Meer würziger Gräser,
blutet hin im schmelzenden Garten
der ruhende Ton der Laute.
Blaue Vogelstimmen weben
dem Müden ein hüllendes Tuch,
während vom schwarzen Tau aufglänzt
ein Haar. Dem braunen Corpus
entschweben die schimmernden Fäden
der Saiten mit dem Atem,
der leisesten Musik.

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Unio

Sonntag, 6. April 2008 11:29

Endlich, blutende Rose, sind wir
so weit voneinander entfernt,
dass ein Photon stürbe
auf dem Weg zwischen uns.
Rücken an Rücken liegen wir,
getrennt durch diese dünne
Folie, wundernden Auges.
Shibalba hält Hof
über dunklen Wassern
und verzehrt sich selbst.

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Nietzsche

Freitag, 22. Februar 2008 22:06

Die reinen, alten Flüsterworte:
die drosch ein Kutscher auf das Pferd,
die sang ein Tristan hinterdrein.

Was war und ist, wird sein,
und aus der Hülle steigt empor
die wahrste Wahrheit. Pures Dein.

Der Spiegel hallt, du siehst nichts mehr,
auf Gipfeln träumst du dich zur Ruh,
du wirst gehalten, warst ein Du,
und fliehst als leblos matter Schein.

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Jadeit

Samstag, 27. Oktober 2007 0:09

Die Skorpione, ach,
und die vertanen Chancen
schwellen, platzen, gehen unter…
du hast das Herz verscharrt.
Das alles findet sich
blutrot, tief Nord-Nordost.
Der Fluss war dein,
die dunkle Laube.
Sie sprach am Rand
schnell ein Gebet.

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Komm in den totgesagten Park

Sonntag, 14. Oktober 2007 23:58

Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.
Dort nimm das tiefe gelb – das weiche grau
Von birken und von buchs – der wind ist lau
Die späten rosen welkten noch nicht ganz
Erlese küsse sie und flicht den kranz
Vergiss auch die letzen astern nicht
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

Stefan George

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Am Neckar

Samstag, 8. September 2007 11:27

Tübingen Im Schloss wohnen
die Repliken,
in den Gassen
Mondstein, fette Kater.

Durch den Hades murmeln
Pastapomeranzen. Schräg
verdunstet Licht im Graben.

Dunkle Villen
kauern drohend
auf den Hügeln.

Fachwerk frisst
die Bindungsglorie.

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Matrix

Montag, 2. Juli 2007 21:26

Follow the white rabbit -
du, ein Clown, der künstlich
lachende Allesgewinner, das Ohr
am fremden Puls, ein Star…

und auf die einsamen Tage
am Strand folgen die noch
einsameren Nächte. Folgen die
noch einsameren Gespenster.
Schwer wiegt die Verdichtung:
rot oder grün.

Du kennst es.
Déjà vu.

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