Echo

Ach
wärst du nur, Echo, das Lied
der Prinzessin aus der eisigen
Wüste, die im kalten Licht des
Mondes entschwundene
Erinnerung.

Den Bogen deiner Brauen
malte ich mit Asche, die
zarten Federn deines Kleids.
Eingewoben in die Nacht
ist der Verheißung leiser
Hauch.

Ach
wärst du nur – Pfeil und Bogen,
Sinn und Schicksal, Telos und
Unendlichkeit:

Am Ende reine Glut.

Elija

Wandere, Prophet, wandere
und wäge Jahrtausende.
Dein Ruf durchschneidet
die Wüsten, geborgen
im Mondlicht auf
herbstlichen Seen.

Wandere, Prophet, wandere
und bewege Meere.
Dein Blick dringt
durch die Tiefen,
geleitet vom Schein
kristallner Frühen.

Wandere, Prophet, wandere,
so wie ein Baum wächst
Rinde um Rinde,
so wie ein Stein sich
entledigt der äußeren Hülle,
so wie ein Berg zufließt
der ewigen Bestimmung.

Stygische Nacht

Ich liege im Schatten des Meeres,
aufgebahrt, wie zur Krönung,
mein weißes Segel hält Poseidon
unter den glitzernden Plejaden.

Laute, Licht und Docht sandtest
du an die trostlosen Gestade,
ewigkeitsschwanger, variablenreich,
Akkorde am flimmernden Horizont.

Schweig hin über die Tiefen, löse
dein Herz in der tropfenden Luft:

ein Sandkorn nur benötigt der Plan
für die Geburt eines tanzenden Sterns.

Cantus

Ich küsse deine schmelzenden
Spuren im Schnee, ich liebkose
das verbleichende Haar, das du verlorst
auf dem Weg zu mir, auf dem Weg
weg von mir.

Ich trinke das Gift deiner
verblassenden Zeilen,
strahlende Ritterin,
Schwester des Todes.

Nimm meine Hand und sieh:
hinter dem Horizont erlischt
der dunkle Gesang der Parzen.

Sprich nur ein Wort

Im blauen Fermate
keimt schon die
Ahnung des Frühlings,
am Horizont strahlen
die weißen Birken.
Der gewaltige Fluss
gräbt sich sein Bett
und wirbelt Perlen
durch die noch
dunkleren Wasser.
Jemand befestigt sein
Haus und bricht auf.
Jemand atmet die
treibenden Wolken.
Jemand, jemand,
Adagio sostenuto.

Phönix

In gelbroten Symphonien
taumeln die Feuer,
im schwarzen Atem
des verkohlenden Laubs,
im wirbelnden Zauber
der Lüfte.
Ein schaler Halbmond
singt das bittere
Klagelied des Mohns,
das süße Klagelied
der fernen Bestimmung.
Sanft vibrieren
die Häute des Farns,
es ruhen still
die glänzenden Tropfen
der Blutspur.
Zu dir, Geliebter, zu dir.