Fremdländischer Duft

Wenn ich geschlossnen Augs in Abendglut
Einschlürfe deinen warmen Duft mit Beben,
Seh’ ich ein herrlich Ufer sich erheben
Aus einem Meer, drauf ewiges Leuchten ruht.

Ein schwellend Eiland, dem der Sonne Flut
Seltsame Bäume, saftige Frucht gegeben
Und schlanke Männer voller Kraft und Leben
Und Frauen, deren Blick voll Glanz und Mut.

Dein Hauch führt mich zu lieblichen Gestaden,
Im Hafen seh’ ich Schiff an Schiff beladen
Und von der langen Reise müd und schwer.

Ich schlürf den Duft von Tamarindenbäumen,
Der sich vermischt in meinen wachen Träumen
Dem Sang der Schiffer auf besonntem Meer.

Charles Baudelaire

Epiphanie

Im hellen Passionsduft der Mondsicheln
erglüht das Meer würziger Gräser,
blutet hin im schmelzenden Garten
der ruhende Ton der Laute.
Blaue Vogelstimmen weben
dem Müden ein hüllendes Tuch,
während vom schwarzen Tau aufglänzt
ein Haar. Dem braunen Corpus
entschweben die schimmernden Fäden
der Saiten mit dem Atem,
der leisesten Musik.

Nietzsche

Die reinen, alten Flüsterworte:
die drosch ein Kutscher auf das Pferd,
die sang ein Tristan hinterdrein.

Was war und ist, wird sein,
und aus der Hülle steigt empor
die wahrste Wahrheit. Pures Dein.

Der Spiegel hallt, du siehst nichts mehr,
auf Gipfeln träumst du dich zur Ruh,
du wirst gehalten, warst ein Du,
und fliehst als leblos matter Schein.

Komm in den totgesagten Park

Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.
Dort nimm das tiefe gelb – das weiche grau
Von birken und von buchs – der wind ist lau
Die späten rosen welkten noch nicht ganz
Erlese küsse sie und flicht den kranz
Vergiss auch die letzen astern nicht
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

Stefan George