Gewalt

Im Traum verkörpere ich eine Frau. Sie liegt etwas lasziv in einem kurzen Kleid auf einem großen, weißen Bett und will sich von ihrem Freund trennen. Er geht aber nicht darauf ein und führt ihr vor Augen, was sie alles noch gemeinsam erleben könnten; unter anderem verkleidet er sich als Elefant, wackelt lustig mit den übergroßen Ohren und fordert sie zum Mitmachen auf. Sie zögert zwar, steht aber schließlich auf und macht damit deutlich, dass sie an ihrem Entschluss festhalten will. Damit kippt plötzlich die Stimmung – der Freund zieht sie zu sich auf das Bett und hält sie fest, um sie grunzend, schmatzend und johlend zu vergewaltigen. Etwas später befindet sich die Frau zusammen mit ihrem Freund und mehreren unbekannten Männern gefesselt und geknebelt auf einem Boot wieder, das durch ein aufgepeitschtes Meer rast. Als die Männer ein anderes, graues Schlauchboot längsseits streifen, versucht die Frau laut um Hilfe zu rufen und sich auf das Deck des anderen Bootes zu werfen. Sie verbeißt sich sogar völlig verzweifelt mit den Zähnen in ein Seil an der Außenwand des Bootes, um seine Weiterfahrt zu verhindern. Einer der Männer, der am Steuerrad des Bootes steht, zieht eine Pistole und feuert mit einem kalten Blick einen Schuss auf die Frau ab, um sie zur Ruhe zu bringen. Ihr Freund zieht daraufhin ebenfalls eine Waffe und schießt den Mann nieder, sei es, dass er nicht ertragen konnte, wie seine Freundin von den anderen Männern behandelt wurde, sei es, dass er sich dem anderen Mann nicht unterordnen wollte. Mit einem weiteren Schuss bringt ihr Freund sich selbst um, oder die Frau wünscht es sich so sehr, dass sie diese Szene imaginiert, und auch, wie das Boot anschließend ein Polizeiboot rammt und sie endlich von ihrer Atemnot erlöst wird, unter der sie seit ihrer Vergewaltigung leidet.

Ein Freund hat sich beide Arme amputiert und fordert mich nun als Beweis unserer Freundschaft auf, dasselbe zu tun. Ich entledige mich daraufhin ebenfalls meiner Arme. Als ich ihn wenig später wiedertreffe, verfügt er wieder über zwei völlig gesunde Arme, die ihm kurzerhand von einer medizinischen Koryphäe, einem bekannten plastischen Chirurgen, wieder angenäht wurden. Ich sehe ihn durch die Türe eines Seminarraums – er schüttelt verneinend den Kopf, als ich ihm vorwurfsvoll meine beiden Armstümpfe entgegenrecke, so als sei es eine große Dummheit gewesen, sich die Arme abzutrennen und dasselbe von mir zu fordern. Verzweifelt suche ich nun nach einem Weg, meine Verstümmelung wieder rückgängig zu machen. Besinnungslos renne ich durch die Gänge eines Krankenhauses, finde aber niemanden, der bereit ist, mir zu helfen. Irgendwie gelange ich in das Haus eines Arztes, der meine Notsituation erkennt und mich zu seinem Bekannten, einem Chirurgen, bringen will. Ich zeige ihm, wie ich eine Münze greifen kann, aber das sei “nur Einbildung, eine Phantomfähigkeit. Das Gehirn hat sich noch nicht daran gewöhnt, dass mir die Arme fehlen, und gaukelt meinem Ich daher vor, ich würde die Münze greifen.” Wir passen seinen Bekannten gemeinsam auf der Straße ab, als dieser gerade in sein Auto steigen will; es ist ein großer, beleibter und bärtiger Mann, der mich an einen Opernsänger oder Filmschauspieler erinnert. Auf einer Bank sitzend, hört er sich kopfschüttelnd meine Geschichte an, überwältigt von meiner unfassbaren Dummheit und der Tragik meines Schicksals. Schließlich bemerkt er tonlos: “Wir brauchen Unterstützung; für eine Revision ist Präzisionschirurgie vonnöten. Die ganzen Nerven, die wieder verbunden werden müssen!”. Vielleicht findet ja noch jemand im Krankenhaus meine abgetrennten Arme in einem luftdicht verpackten Beutel, damit sie mir wieder angenäht werden können.

An dieser Stelle erwache ich und spüre, wie mir die fehlenden Arme wieder auf die Stümpfe aufgesetzt werden, als würden sie sich aus Nichts materialisieren.