Spiel des Lebens

Früher drehte ich am Glücksrad, fuhr ein flottes Plastikauto und steckte rosa und hellblaue Plastikstecker in die noch freien Plätze, die meine Frau und diverse Kinder symbolisierten. Ich ergriff einen lukrativen Beruf, und zum Schluss kam ich in der herrschaftlichen Villa an und zählte meine unterwegs aufgesammelten Geldscheine.

Nach dieser Woche kommen mir Zweifel an dieser bunten, allzu träumerischen Version des Lebens. Nicht, weil meine eigenen Seifenblasen geplatzt wären, sondern weil ich mich in dieser Woche ganz nahe an andere heranwagte und intensiv deren Wünsche, Sehnsüchte und Ängste spürte. G., die sich nach unserem gemeinsamen Abend im Bistro R. nicht getraut hatte, mich um eine Berührung zu bitten. Nach zwei Tagen sagte sie mir, sie hätte von unserem Spaziergang im Dörnbergpark und von den blauen Lichtern der Taschenlampen geträumt, die wir gesehen hatten. I., der ich davon erzählte und die mich daraufhin voller Eifersucht fast mit vorgehaltener Pistole und mit Geschenken für die bestandene Prüfung dazu zwang, mit ihr am Freitagabend auszugehen. B., der es nicht lassen konnte, sich bei der Kursleitung als Kurssprecher massiv über einen Dozenten zu beschweren und unseren Kurs dazu nötigte, Beurteilungsbögen auszufüllen, während ich den Dozenten nicht ins offene Messer laufen lassen wollte und ihn vor dem Unterricht über das geplante Scherbengericht informierte.

Ich selbst arbeite gerade weg, was sich in meinen Ablagen während der letzten Wochen angesammelt hat, mit dem beruhigenden Gefühl, einen kleinen Wendepunkt in diesem arbeitsintensiven Jahr erreicht zu haben. Meine Gefühle bewegen sich ganz merkwürdig zwischen Himmel und Hölle. Vielleicht auch deswegen, weil von meinen guten Vorsätzen nicht ein einziger übrig geblieben ist – bis auf den, vor Konflikten nicht wegzulaufen, sondern sie auszuhalten. Die herrschaftliche Villa ist noch in weiter Ferne, und das ist auch gut so.