Der Dalai Lama und der Olympiaboykott

Samstag, 29. März 2008 10:37

Dass der Dalai Lama angesichts der Eskalation in Tibet weiterhin auf Gewaltlosigkeit und Dialog setzt, erscheint mir nur folgerichtig und konsequent. Und ich glaube auch, dass bereits das Handelsvolumen, das die westlichen Staaten mit China abwickeln, die Hoffnung konterkariert, die chinesische Regierung könnte mit Appellen zum Einlenken bewegt werden. Ein Olympiaboykott wäre in diesen Dimensionen nur ein Nadelstich, und nicht mal ein besonders wirkungsvoller, ganz im Gegenteil: die Chance, auf die Informationspolitik Chinas gezielt Einfluss zu nehmen, wäre endgültig vertan. Würde China beispielsweise nur einen Bruchteil seiner gewaltigen Dollar-Reserven auf den Markt werfen oder in Euro umschichten, wäre eine weltweite Rezession nicht mehr aufzuhalten. Das heißt aber nicht, dass China damit ein Freibrief ausgestellt werden soll. Der Dalai Lama sagte zu einem möglichen Olympiaboykott: “Ich unterstütze die Gastgeberschaft Chinas. China ist ein wichtiges Land, ein mächtiges Land, das verdient hat, Gastgeber der Spiele zu sein…Die Chinesen sollten stolz sein auf dieses Ereignis. Ich befürworte die Gastgeberschaft, weil das chinesische Volk nichts für die dramatische Lage in Tibet kann. Aber die chinesische Führung sollte daran erinnert werden, mehr für die Menschenrechte, aber auch mehr für die Umwelt zu tun.” (Quelle: SpiegelOnline) Ich plädiere auch für Realpolitik, Diplomatie und freie Berichterstattung aus Tibet.

Ich will mein Posting um einen Aufruf zur Unterzeichnung einer Petition der Aktivisten von Avaaz.org ergänzen, die am kommenden Montag, den 31. März, an chinesische Botschaften und Konsulate übergeben werden wird. Der Wortlaut der Petition lautet: “An den chinesischen Präsidenten Hu Jintao: ‘Als Bürger dieser Welt ersuchen wir Sie, bei der Reaktion auf die Proteste in Tibet, zur Zurückhaltung und zum Respekt der Menschenrechte. Berücksichtigen Sie bitte die Anliegen der Tibeter, indem Sie einen bedeutungsvollen Dialog mit dem Dalai Lama eröffnen. Nur durch Dialog und Reformen kann eine längerfristige Stabilität erreicht werden. Chinas aussichtsvolle Zukunft liegt in harmonischer Entwicklung seiner Beziehung zur Welt durch Dialog und Respekt.‘” Hier kann man diese Petition unterstützen.

Thema: Mediales, Zwischenrufe | Kommentare (3)
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