Ordnen

Ich bin gerade sehr beschäftigt damit, meine Befindlichkeiten, meine Aussichten, meine Pläne und meine Wünsche zu ordnen. Es ist wie bei einer Entdeckungstour, und es gibt allerhand zu bestaunen: heftige Aversionen, unerwiderte Sympathien, stille Neigungen, neue Freundschaften. Ich weiß, dass das alles Zeit benötigt, um zu wachsen, sich für mich zu einem sinnvollen, lebenswerten Ganzen zusammenzusetzen, während doch nichts knapper ist als Zeit. So vieles drängt auf Planung, Erledigung und Kontrolle; nichts erscheint schlimmer als ein Bereich, in den man nicht blitzartig hineinswitchen und ebenso geistesgegenwärtig reagieren kann. Vor allem dieses Jahr ist von einer Energie gekennzeichnet, die mir nicht liegt, und die neben der Aktion auch ein Stückchen Selbstaufgabe fordert, um ganz für von anderen definierten Anforderungen zur Verfügung zu stehen.

Das ist das Tabu, und ich lebe es lustvoll aus: nämlich sich mit sich selbst und seinen eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Lasst mich einmal die Frage stellen: will ich das überhaupt? und lasst mir die Zeit, um Luft zu holen und darüber nachzudenken. Lasst mich. Sein.

Ich bin nicht diese Rolle, ewig gut gelaunt, selbstbewusst, voller Tatendrang, unendlich kreativ und sensibel. Ich bin, aber das wisst ihr nicht und wollt es wahrscheinlich auch nicht wissen, ganz anders: viel zweifelnder, unsicherer, ängstlicher, egoistischer. Und viel näher am Scheitern als am Erfolg.