Aus meinem Notizbuch

Aus meinem Notizbuch (06.09.2014):

[…] Das ist übrigens einer der Gründe, warum das Böse so schwer fassbar ist; Grausamkeit und Pathologie reichen dafür nicht aus. Oft tritt das Böse in einer Konstellation auf, die von einem intensiven Aufeinander-Bezogen-Sein gekennzeichnet ist und in der auch der scheinbar dominierende Part von dem scheinbar unterlegenen Part beeinflusst wird, so wie etwa die Gravitationskräfte des Mondes auf die Erde zurückwirken und nicht nur die Erde den Mond an sich bindet. Jemand, der von außen darauf blickt, wird die Natur dieser Bindung nicht verstehen und das Umeinander-Kreisen als eine Art persönlichen Konflikt missdeuten, in dem jeder der beteiligten Partner genauso viel Objektivität beanspruchen kann wie der andere und ein unabhängiges Urteil nicht möglich scheint, wiewohl im System selbst die Rollen klar verteilt sind und die innere Wahrheit allen Beteiligten unmittelbar zugänglich ist. Objektivität, Fairness, Regeln – alles das bestärkt die Position des dominierenden Parts und führt dazu, dass das zugrundeliegende System länger bestehen bleibt, entgegen der allgemeinen Erwartung, dass es dadurch aufgelöst oder verhindert werden könnte. […]

Versuch über das Böse

Philosophie ist nichts mehr für Idealisten. Die Besitzergreifung von Idealen hat in den Stürmen des 20. Jahrhunderts, aber auch in der Postmoderne so sehr um sich gegriffen, dass auch der abscheulichste Diktator nicht mehr ohne eine moralisch lautere Begründung für seine Verbrechen auskommt. Ideale wurden von Pragmatikern der Bewusstseinsindustrie in Versprechen mit Haltbarkeitsdatum umfunktioniert, so dass nicht mehr unterscheidbar ist, ob authentische Motive der Mitte der Persönlichkeit entspringen oder ob sie nur benutzt werden, um den angewandten Mitteln ein freundlicheres Aussehen zu verleihen. Die Sprache wird zum Drehzahlmesser des Absurden – dem Guten glaubt man nicht und dem Bösen misstraut man.

Also wendet man sich der Verpackung zu. Wird in der Theodizee-Frage das Gute des Gottesbegriffs schon in ethischer Richtung gedeutet, geschieht dasselbe nun mit dem Tafelsilber der Ethik: der Inhalt ist sattsam bekannt, es kommt nur noch darauf an, wie er verkauft wird. Am Ende entscheidet das launische Publikum, wann und worüber es den Daumen senkt oder hebt. Die Bewusstseinsindustrie etikettiert jeden Gedanken und jede Idee, seien sie noch so hehr und edel, zu einer Ware um, die im Markt auf Wettbewerber trifft. Am besten gibt sie sich ein seichtes und leichtverdauliches Aussehen, um nicht allzu sauer aufzustoßen. Philosophie ist ein kurzer Bewusstseinserfrischer to go, ein Pausenfüller, bevor der allermodernste Mensch sich wieder seinem digitalen Assistenten zuwendet, um von ihm die Struktur der sich gnadenlos zerdehnenden Stunden des letzten Tages zu erfahren. Thematisch erwartet man die übliche Trias von Tod, Teufel und Apokalypse, aber bitte innerhalb von zehn Minuten, wir müssen noch den Flieger nach Utopia erwischen, das Boarding hat bereits begonnen.

Was sagt zu alldem die professionelle Philosophie? Versucht sie mosaisch das Meer der zuwuchernden Deutungen mit einer machtvollen Geste zu teilen und ihren Anhängern einen sicheren Weg zu weisen? Nichts davon ist bekannt. Es gibt überhaupt nichts zu berichten. Die akademischen Längen werden mit dem Mikroskop gemessen und haben einen Abstraktionsgrad erreicht, der Nichteingeweihte ratlos zurücklässt. Philosophie, die als Universalwissenschaft noch die Chance besäße, der allzu großen Spezialisierung und Zersplitterung der anderen Fachdisziplinen entgegenzuwirken und den wissenschaftlich-technologischen Fortschritt in einen Deutungsrahmen zu stellen, beschäftigt sich lieber mit der logischen Struktur von Aussagen als mit den unbewältigten Inkohärenzen der Realität. Das Ziel lautet, der Philosophie die reellen Widersprüche auszutreiben. Vielleicht haben wir am Ende ein ungeheuer präzises Werkzeug für die Analyse, haben aber vergessen, wozu wir es benutzen wollten.

Eine zentrale ethische Versuchsanordnung für das Projekt der Moderne lautet doch: wenn die gesamte Menschheit nur einen Schritt vom Wiedereintritt in das Paradies entfernt wäre, und nur ein Mensch stünde dem im Weg, wäre es dann gerechtfertigt, dieses Menschenleben zu opfern? Und unsere Beantwortung der Frage hinge entscheidend davon ab, ob wir das Paradies als etwas Äußerliches, von uns Getrenntes wahrnähmen, an das wir GLAUBEN und das wir uns so ANEIGNEN könnten. Nachdem uns die Transzendenz verlassen hat (“Gott starb in Ausschwitz”, so war letztens zu lesen), sind wir wieder mit Glauben und Güterabwägungen konfrontiert. Es ist schier zum Verrücktwerden. Wir werden die Dämonen nicht los, die uns zu irgendeiner Entscheidung drängen.

Was früher die Gesellschaft als Ganzes erschütterte und bewegte, spielt sich nunmehr auf der Ebene des neuen philosophischen Atoms, des Individuums, ab. Es ist sein Verhalten, aus dem man glasklar seine philosophisch-ethische Konstitution ableiten kann, ungeachtet dessen, was es zu seiner Verteidigung vorbringen mag. Das ist eine bislang ungeahnter moralischer Rigorismus, der da am Ende aller Liberalisierungsbemühungen um das Individuum aufscheint. Psychische Intaktheit ist unter diesem Aspekt eher als Ausnahme zu begreifen und nur mit ungeheuren Verdrängungsleistungen zu erreichen. Das Böse resultiert nun aus dem Versäumnis, seine Entscheidungen nicht hinter die Höhe des eigenen Wissens, der eigenen Kompetenz, ja, der eigenen moralischen Integrität zurückfallen zu lassen. Damit es nicht zu diesem Versäumnis kommt, bedarf es geeigneter Hilfsmittel.

„Ist Glauben…

…nicht auch eine Art Philosophie?“, schrieb mir diese Woche ein Freund per email. Und spontan ist mir nichts darauf eingefallen, was ich ihm antworten könnte. Aber dann fand ich mich doch unvermittelt am Anfangspunkt aller meiner Überlegungen wieder. Wenn sich christlicher Glaube, Philosophie und Psychologie in einem Punkt berühren, dann vielleicht im Zweifel an der als so selbstverständlich angesehenen Voraussetzung, dass uns unser Alltagsverstand verläßliche Informationen darüber liefern kann, was und wer wir sind. Die Konsequenzen, die sie daraus ziehen, könnten aber unterschiedlicher kaum sein. Die Psychologie sagt: Es gibt ein Denkendes, das wir mittels Empirie untersuchen müssen, um die Quelle der Fehlerbehaftetheit unseres Daseins aufzuspüren und, wenn möglich, zu korrigieren. Die Philosophie sagt: Es gibt ein Denkbares, das wir mittels Theorie untersuchen müssen, um die Passung unseres Daseins wiederherzustellen. Der christliche Glaube sagt: Es gibt ein schöpferisches Prinzip, das jenseits des menschlichen Denkens und der menschlichen Erfahrung liegt. Du musst daran glauben, um seiner erlösenden Kräfte teilhaftig zu werden. Der Zen-Buddhismus würde sagen: alle drei geben eine falsch positive Antwort. Da ist nichts, das denkt, gedacht wird oder schöpferisch wirkt. Jeder Versuch des Verstandes, die Erscheinungen zu abgegrenzten Begriffen zu ordnen, stört nur die Harmonie. Das führt mich weiter zu Wittgenstein: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Das heißt: in exotisch-esoterischen Höhen wird die Luft dünn für die Philosophie und den Philosophen. Denn dort, wo die Begründung aufhört, beginnt der Glaube, aber nicht als Fortführung der Philosophie mit anderen Mitteln. Die Sehnsucht nach Erlösung, Ganzheit und Vollendung hat eine völlig andere Qualität als das kühle Abwägen von Alternativen. Sie treibt den Menschen hinaus aus seinen brüchigen Behausungen, die er mit philosophischen Steinen notdürftig beschwert hat.

Reine vs. Praktische Vernunft?

Obwohl Kant nach Abfassung seiner erkenntnistheoretischen Schriften diametral entgegengesetzte Absichten zu verfolgen schien, gibt es keinen Bruch zwischen den erkenntnistheoretischen und ethischen Postulaten, wie er auch in der Forschung immer wieder als Hypothese formuliert wurde. „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“, schrieb Kant einmal. Der Mensch wird damit bei Kant zum erkennenden und moralisch handelnden Subjekt, das aus sich selbst heraus und unter Gebrauch seines Verstandes die Welt so formt, dass sie sich ihm später als etwas Festes und scheinbar von ihm selbst Unabhängiges zeigt. Die metaphysische Garantie, dass das Subjekt realen Objekten begegnet, stürzt mit Kants Untersuchungen zu Raum, Zeit und Kausalität in sich zusammen. Diese Kategorien sind der Welt inhärent, aber nicht als Voraussetzungen einer universellen und vorgefundenen Balance, sondern als Konzepte des denkenden Subjekts. Wie aber ist in einer solchen Welt moralisches Handeln möglich, das ein abstraktes allgemeines Wohl über die konkreten eigenen Bedürfnisse stellt? Hier sah Kant nur einen möglichen Weg – den der Selbstdisziplinierung und der Pflicht. Es liegt im Bereich des Möglichen, dass er damit den falschen Ansatz gewählt hat, und schon Schiller, ein glühender Kant-Verehrer, ist ihm hierin nur teilweise gefolgt: „Gerne dien ich den Freunden, doch tu‘ ich es leider mit Neigung, Und so wurmt es mir oft, daß ich nicht tugendhaft bin.“ Kant entwickelte diesen Ansatz konsequent weiter: damit das Subjekt diese Selbstbeschränkung auf sich nehmen kann, ist es notwendig, dass die moralischen Leitlinien autorisiert werden. Sie sind – ähnlich den erkenntnistheoretischen Kategorien – nicht wählbar. Das Subjekt verhält sich aber nur dann moralisch, wenn es „auf etwas hin“ handeln kann. Handeln begründet sich in Zwecken. Kant postuliert hier ein „Als-ob“ – wir müssen so handeln, als ob ein göttliches Wesen unsere Handlungen sanktionieren oder belohnen würde. In der historischen Dimension läßt sich zweierlei feststellen: Kant sprach hier ein wirkmächtiges Denkverbot aus, das latent alle nachfolgenden philosophischen Diskussionen beeinflusste. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, beginnend etwa mit den Feuerbach´schen Thesen, dieses Denkverbot immer heftiger in Frage gestellt wurde, ging damit eine immer radikalere Entwertung des Seins und der „Stellung des Menschen im Kosmos“ (das ist der Titel eines Buchs von Max Scheler) einher. Kant war hellsichtig genug, das zu erkennen.

PS: Langsam bin ich wie Wittgenstein geneigt zu glauben, dass Mystik und Philosophie vielleicht eine scharfe Trennlinie, aber ansonsten gar nichts miteinander teilen.

Positionen im Atheismusstreit

Dass sich Atheisten und Theisten so unversöhnlich gegenüberstehen, liegt aus meiner Sicht vor allem an der Krise der wissenschaftlich-empiristischen Methode. Der Kanon naturwissenschaftlicher Erklärungsmodelle ist ja nicht so festgefügt, wie es gerne unkritisch nach außen vermittelt wird, sondern unterliegt – ähnlich wie die hermeneutisch sich wandelnden Ideen und Theorien der Geisteswissenschaften – einem unaufhaltsamen Prozess der Falsifizierung oder etwas präziser: Validierung. Wir gelangen nicht an ein Ende unseres Verständnisses. Im Gegenteil: hinter jeder Tür, die aufgestoßen wird, öffnen sich mindestens zwei neue.

Streng empiristisch würde ich also daraus ableiten können, dass die Welt als Ganzes schlicht und einfach unerklärlich ist. Hier lauert schon die nächste Falle, in die wir tappen könnten, nämlich die des Kontigenzbeweises; ein schlauer Kopf könnte sich auf diese empirisch abgeleitete Tatsache als Unterfütterung seiner Argumentation stürzen. Aber da müssen wir genauer hinsehen: was erklärbar ist, ist ein Stück des Wollfadens, aber nicht das Wollknäuel – umgekehrt kann der Wollknäuel auch nicht den erkenntnistheoretischen Status des Wollfadens voll und ganz bestimmen, wie es ein Theist in seiner überschäumenden Euphorie vielleicht annehmen könnte.

Wittgenstein war davon so genervt, dass er in seinem „Tractatus“ den Wollfaden einfach abschnitt und dann ein wenig genialisch-naiv glaubte, alle Probleme seien damit gelöst. (Später erkannte er selbst, dass es so einfach nicht sein konnte, und widmete sich den Sprachspielen.) Wenn die Moderne die Trennung des Fadens vom Knäuel im Sinn hatte, wollte sie damit den geisterhaften Spuk der Metaphysik beenden, dessen Grundlage langsam verfiel. Übrig blieb eine entzauberte, aber keineswegs heimelige Welt, der man mit immer objektiveren, distanzierteren Messmethoden auf den zunehmend geschundenen Leib rückte. Weiterlesen

De gustibus

„De gustibus non est disputandum“ – über Geschmack läßt sich nicht streiten, das ist eine altbekannte Tatsache. Aber wer legt dann fest, was „guten Geschmack“ auszeichnet? Hier sind mehrere Möglichkeiten denkbar: 1. es gibt eine „von oben“ verordnete Geschmacksdiktatur, 2. es gibt einen Geschmacksterror „von unten“ und 3. es gibt eine kleine, elitäre Gruppe, die sich mit ihrer Definition des „guten Geschmacks“ vom Rest abheben will; über Nachahmer verfestigt sich diese Definition ganz allmählich, bis sie zum Allgemeingut wird. Wir ahnen es bereits – der „gute Geschmack“ ist ein Problem der Abgrenzung und der Ränder. Was dem einen kaum ein Achselzucken abringt, ist für den anderen ein himmelschreiender Skandal. Das ist unter anderem auch eine Frage der Frustrationstoleranz, wie man sehr schön hineinpsychologisieren könnte. Schon allein deswegen können wir es nicht lassen, uns mit Geschmacksfragen auseinanderzusetzen. Wenn These und Antithese aufeinanderprallen und sich unauflösbar ineinander verhaken, fühlt man sich unweigerlich an den Merksatz des Königsbergers erinnert, dass sich viele Widersprüche mit den Mitteln der Vernunft nicht auflösen lassen, sondern eben immer auch der Anschauung bedürfen. Die Frage: „Welchen konkreten, anschaulichen Inhalt hat unser Gespräch eigentlich?“ wirkt manchmal Wunder. Das klingt arg realistisch und ist es wohl auch. Weiterlesen

Besorgnis

Das unglückliche Bewusstsein ist nicht etwa ein Gegensatz zu einem glücklichen Bewusstsein; sein Unglück wird vor allem aus der Einsicht gespeist, dass es aus sich heraus nicht mehr über die Mittel verfügt, einen Zustand des Glücks zu erreichen. Wenn es einen fundamentalen Satz in der abendländischen Philosophie gibt, dann doch wohl diesen, dass jeder Mensch nach Glück strebt. Impliziert dieser Satz aber auch, dass der gegenwärtige Augenblick nur ein Zwischenstadium zu einem noch zu erreichenden, perfekten Zustand sein kann? Das, was die Hauptbeschäftigung der Philosophie war, droht ihr durch die Finger zu rinnen, je größer und existenzieller der nicht zu überbrückende Hiatus zwischen Realität und Utopie wird. Während das Projekt der Moderne noch von einem kaum zu bändigenden Willen zur Erneuerung getragen wurde, leben wir heute, in postpostmodernen Zeiten, im Zustand der allgegenwärtigen Besorgnis. Die Besorgnis leitet sich direkt aus dem zu Besorgenden ab, und die Liste des zu Besorgenden entlässt uns erst am Ende unserer Tage für eine Reise in dunkle Ungewissheit. Und indem wir jeden Tag mit völlig disparaten Anforderungen unter veränderten Umweltbedingungen konfrontiert werden, ändert sich langsam auch unser Verhalten: es wird gleichzeitig hysterischer und gleichgültiger. Denn die einzige Konstante, die wir direkt wahrnehmen und messen können und die sich unserem Verfügungsbereich nicht entzieht, ist unser eigenes Verhalten. Aber wenn wir nach der Richtigkeit unseres Verhaltens und gewisser Entscheidungen fragen, stoßen wir auf ein sich gegenseitig durchdringendes Knäuel von Wertungen, in dem sich ästhetische, ethische und metaphysische Aspekte bis zur Unkenntlichkeit vermischen. So kommt es, dass ethische Fragen auf der Grundlage von ästhetischen Überlegungen entschieden werden. Im Grunde ist die Antwort schon vor der Frage angekommen. Man kann sich nicht mehr zum Abenteuer und zur Freiheit durchfragen, um die Dimension seines Ich auszumessen. Wir können die Impulse der Selbstbestimmung nicht aufgreifen, aber gleichzeitig unsere Persönlichkeit als ein neutrales Medium zur Disposition stellen, das von außen her mit Wertungen „gefärbt“ wird. Wir können uns nicht selbst gegenüberstehen und uns objektiv aus allen Perspektiven betrachten wie ein Produkt, das verbessert oder redesignt werden soll, schon allein aus dem Grund, weil unsere Erfahrungen immer Erfahrungen in der Zeit sind, die uns nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Weil wir jedoch glauben, dass wir uns verbessern könnten, wenn wir uns nur genügend anstrengten, dass Glück letztendlich also innerhalb unserer Machbarkeitsreichweite läge, gelangen wir nie zu einer Übereinstimmung mit uns selbst. Und so ist die Besorgnis das Symptom einer andauernden Bewusstseinskrise, die sich in einem System sich entziehender und unaufgedeckter Grenzen vollzieht. Es ist ein Leben „als ob“, auch wenn man noch so sehr glauben möchte, dass nun endlich die Premiere stattgefunden hat.

Der Staat

LeviathanDer Staat war schon immer ein metaphysisches Gegengewicht (also auch: letzte Hoffnung und Erlöser) für bürgerliche Karrieren. Durch die Schaffung von persönlichem Wohlstand wollte man auch für das Gemeinwohl sorgen, doch erst der Staat bot sich als potenter Organisator dieser Aufgabe an. Die traditionelle Trinität aus Gottvater, Sohn und heiliger Geist wurde zur weltlichen Trinität aus Exekutive, Legislative und Judikative. Die Freiheit, die der Staat dem Bürgertum versprach, zeichnete sich durch ein ausgeklügeltes Repertoire von Regeln aus, die den sozialen Verband auf Kosten des Individuums stärkten.

Illustration: Titelbild „Leviathan“ von Thomas Hobbes