Prämissen

Ich bin mal wieder besserwisserisch – wider besseres Wissen. Aber viele Interaktionen laufen nach einem Schema ab, das ich gerade in meiner näheren Umgebung immer wieder beobachten kann. Es geht in aller Kürze darum, wie man in einer auf Erfolg frisierten Welt mit dem Misserfolg umgeht.

Da ein Scheitern aufgrund der eigenen Unzulänglichkeit ausgeschlossen ist, müssen es andere Einflüsse sein, die die eigenen Anstrengungen vereitelt haben. Diese Haltung führt in Widersprüchlichkeiten, die so augenfällig sind, dass sie von außen betrachtet lächerlich wirken. Man begreift als Außenstehender oft gar nicht, wie man in eine Sackgasse laufen und sich darüber beschweren kann, dass die Widerstände zu groß werden. Man sieht von außen die Prämissen und kann das negative Ergebnis bereits mit simplen Überlegungen und ein wenig common sense vorwegnehmen. Wenn man selbst eingreifen und dem Sich-Verirrenden einen Ausweg zeigen will, erlebt man völlig überraschend einen Ausbruch an Aggressivität, der sich in regelrechten Mordphantasien entlädt. Warum? In jeder kleinen, banalen Gelegenheit wird die Möglichkeit eines allumfassenden Guten gesehen, das über einen kommen soll – und selbst die offensichtlichste Täuschung wird geleugnet, geschönt, verdrängt. Man ergreift jeden sich bietenden Zipfel des Glücks, selbst wenn er zu Atomen zerfällt, ja selbst die Atome haben noch Potential in sich, und so gräbt man immer weiter und erbaut sich gleichsam sein eigenes Fluchtlabyrinth aus toten „Wenn“. Jedes dieser „Projekte“ wird anfangs von einem euphorischen Überschwang begleitet, der sich leichtfüßig und mild-sarkastisch lächelnd über die warnenden Stimmen erhebt. Wenn man allerdings einsehen muss, dass Begeisterung und Euphorie nicht ausreichen, um zu Ergebnissen zu kommen, ja dass im Gegenteil nüchterne strategische Entscheidungen und taktische Abwägung gefragt gewesen wären, deren Zeit längst verstrichen ist, beginnt man die mahnenden Stimmen zu hassen und versucht, sich ihrer zu entledigen. Jede Kritik ist dann sofort bösartige Häme und Ausdruck destruktiven Willens.