Verloren gehen

Kafka war ein Realist, der bestehende psychologische Verhältnisse in symbolische Formen kleidete. Seine Erzählung „Der Bau“ illustriert auf schlagende Weise meinen Wunsch, der Welt auf eine Art und Weise verloren zu gehen, die nur ich selbst verstehe, jenseits der Verlockungen des Wahnsinns und des Freitods. Es ist die angemessene Reaktion auf die Enttäuschung darüber, nicht als derjenige erkannt zu werden, der man seinem Wesen nach ist. Jeder, dem ich begegne, pflegt nur seine eigenen Vorurteile über mich und will von der Realität nichts wissen. Nein, das ist kein Vorwurf. Ich fühle nur eine Müdigkeit in mir, deren Ausmaß nicht zu beschreiben ist. Und ich bin es so leid, mich mit den Gedankenwelten anderer auseinanderzusetzen – wenn das Produkt dieser Auseinandersetzung nur die mehr oder weniger geschickt getarnte Demütigung ist. Selbst wenn ich es im günstigsten Licht betrachte, kann ich darin keine Übung in Demut mehr erkennen, sondern nur noch eine Demonstration von Macht und Erpressungpotential: „Ohne mich wärst du ein Nichts!“. Sie soll in die hierarchische Unterordnung münden und in Ritual und Struktur erstarren. Wann und zu welchen Bedingungen die Diskussion beendet ist, legen andere für mich fest. Ich gehöre zur Seite der Befehlsempfänger. Um das, was ich will, zu erreichen – nämlich keine Befehle entgegenzunehmen und keine zu erteilen, also neutral zu bleiben – müßte ich allerdings die Seite wechseln, was ich schlechterdings nicht kann.