Verlassene Bahnstation

Ich weiß, dass ich meinen dienstlichen Laptop in irgendeinem Hotel dieser unübersichtlichen Stadt abgestellt habe und bin nahe daran zu glauben, dass er mir gestohlen wird und ich ihn nie mehr wiedersehen werde. Um ihn zu suchen, zwänge ich mich durch enge, dunkle Treppenschächte und gelange schließlich auf einen verlassenen S-Bahn-Steig. Ich gehe ein Stückchen und drehe mich um: die Gleise schlingen sich in der Ferne ineinander und füllen fast den gesamten Horizont aus. Wo bin ich hier nur gelandet? Werde ich je wieder nach Hause kommen? Es ist früher Morgen. Kein Zug fährt, und ich höre kaum Geräusche. Wenig später fahre ich in einem schwankenden Bus mit, in dem ich wie ein Reiseleiter mitten auf dem Gang stehe und mutige Sätze von mir gebe. Ich bin vom vielen Reden bereits so heiser, dass mir das Sprechen Schmerzen bereitet. „Ich würde, wenn ich Regierungschef wäre, nicht dorthin gehen und die Einladung ausschlagen, wenn sie in irgendeiner Verbindung mit Drogenhandel stehen könnte.“ Gerhard Schröder sitzt auf der Rückbank und sieht mich mit seinen blassblauen Augen erstaunt an. Angela Merkel, die ein paar Stuhlreihen weiter vorne sitzt, verzieht missbilligend das Gesicht und wendet sich von mir ab.

Una notte italiana

Der Traum, der noch kurz vor dem Aufwachen eine zusammenhängende, dramatische Struktur besaß, verflüchtigte sich schon beim Aufwachen wie Spätsommernebel…ich fahre mitten in der Nacht via Bus nach Italien. Im Bus befinden sich viele meiner Arbeitskollegen, aber auch einige andere Personen, die ich überhaupt nicht kenne. Mein Gepäck spielt eine herausragende Rolle, aber ich weiß nicht mehr, welche. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil es unausweichlich ist, eine Nacht in Italien zu verbringen, meine Freunde in Deutschland mich aber noch heute zurückerwarten. Ich verpasse die Station, an der mein Fahrrad abgestellt ist, und steige erst die nächste Station aus. In der Nähe befindet sich eine blau beleuchtete Tankstelle. Sehr viel später stehe ich zwischen zwei fremden Menschen (einem Mann und einer Frau) auf einer steinernen Brücke neben einer Ausfallstraße. Wir erleben gerade einen Sonnenaufgang, der uns einen glühenden Himmel hinzaubert, und mich durchströmt ein unbekanntes Glücksgefühl. Ich kann mich sehr schlecht mit ihnen verständigen, da ich nur äußerst lückenhaft italienisch spreche, meine Gesprächspartner sich aber auch mit Englisch sehr schwer tun. Ich frage sie: „Wo ist denn die Toscana?“, und sie deuten beide mit dem Daumen über ihrer Schulter nach hinten. „Hinten, gleich dort hinten.“ Ich scheine mich irgendwo in der Nähe von Florenz zu befinden. „Und wo ist Umbrien?“ („Where is umbria?“) frage ich erneut, und sie sehen mich erstaunt an. „Naja, das ist wohl auch zu weit entfernt.“ sage ich mehr zu mir selbst und lächle bei meinen Hintergedanken. Später befinde ich mich mit denselben (?) Personen in einem Zimmer. Wir unterhalten uns über eine Gedichtanthologie, die beide veröffentlichen wollen. Plötzlich kommt mir ein Einfall, den ich ihnen sofort mitteilen muss: „Auf jeden Fall sollten Gottfried Benn, Georg Trakl und – wie heißt denn der dritte?-“ Sie nicken stumm. Aber der Name des dritten Dichters fällt mir nicht mehr ein. Kurz darauf wache ich auf, und grüble weiter über den Namen des Dichters, dessen Gedichte mir im Zusammenhang mit denen Benns und Trakls so passend schienen.