My old valentine

Gerne würde ich etwas Substantielleres bringen, aber selbst meine Träume sind nur unzusammenhängende, wirre Puzzlestücke ohne einen erkennbaren roten Faden: das erstaunte Gesicht meines Bruders durch eine Glasscheibe, eine lautstarke berufliche Auseinandersetzung, der kalte Stahl einer geladenen Waffe in meiner Hand. Auch mein Leben hängt derzeit in einer Flaute fest. Die gestrige ethnologische Erkundung auf den Winzerer Höhen über den Dächern der Stadt – dämonische Fratzen, brennende Lagerfeuer, fast voller Mond, Föhnwind, der heftig in die Büsche fährt, schlammige, aufgeweichte Wege – verflog im Laufe dieses Tages wie ein spukhafter Eindruck. Wieder einmal fühlte ich mich an die Vergangenheit erinnert und an den Budenzauber, mit dem sie illuminiert wurde. Die getrocknete Rose verliert langsam ihre Blätter. Übrig bleibt ein häßlicher Stumpf, mehr ein Zeichen als ein Geschenk. Das ist es, was meiner Schwermut neue Nahrung gibt – eine unstillbare Sehnsucht danach, noch einmal von trügerischen Hoffnungen betrogen zu werden. Unter allen Masken der Wahrheit ins Gesicht sehen zu wollen, kann ein bohrendes Vergnügen sein, meist sogar ein krankhaftes. Das Leben gibt sich mit der Wandlung der Gestalt zufrieden und bleibt sich dabei doch immer treu.