Sterbebildchen

Ich gelange in einen merkwürdigen Raum mit einem verglasten Erker, in dem eine Badewanne und eine Dusche installiert sind. Auch mehrere auffällig glitzernde und überladene Kronleuchter hängen im Erker zum Teil auf Kopfhöhe. Auf mich wirkt das wie ein überflüssiger, ja beinahe ärgerlicher Luxus. Davor steht ein Tisch, auf dem eine Karte liegt. Die Karte wurde auf den Innenseiten mit einer mir unbekannten Schrift mit Goldfarbe vollgeschrieben. Ich versuche zwar, den Text zu lesen, finde das aber plötzlich indiskret und höre abrupt auf, weiterzulesen. Als ich die Karte umklappe, sehe ich den schwarzen Trauerrand und begreife allmählich, dass die Mutter einer guten Freundin verstorben ist und ich ihr Sterbebildchen in der Hand halte. An der Seite befinden sich neben einem schwarzen auch Register in anderen Farben, sogar fröhliche Blümchen sind am Rand abgedruckt. Ich schlage zufällig eines dieser Register auf und entdecke die Noten eines bekannten Kirchenliedes, das immer bei Beerdigungen gesungen wird. Meine Freundin hat jedoch einen anderen Text in derselben Goldfarbe wie auf den Innenseiten unter die Notenlinien geschrieben. Sind das jetzt Anmerkungen zum Kirchenlied oder zur Beerdigung? Jedenfalls hebt sich die Schrift plastisch vom Hintergrund der Karte ab, und ich glaube, einen schwachen Nachhall ihres Gesangs zu hören.