Lord how shall I dance?

Es gibt ja eine Handvoll Tanzformen, die beherrsche ich auch nach 10-jähriger, schöpferischer Pause noch aus dem Effeff. Natürlich braucht es eine vernünftige Kapelle, die von bodenständigen, traditionellen Rhythmen über Jazz, Rock und Latin-Einsprengseln bis hin zu Klassik und Wiener Walzer ein ausgewogenes Repertoire im Kasten hat, um den Tanzsaal zum Kochen zu bringen. Auch das Ambiente, das Publikum und vor allem die Chemie mit dem Gegenüber muss stimmen. Und dann, ehe man sich´s versieht, schwebt man mit der Tanzpartnerin durch den Raum, die Gesichter verschwimmen und die Welt hat plötzlich jene wattige, schaumige Konsistenz, die man gemeinhin rosaroten Wölkchen nachsagt. (Wer das erlebt hat, weiß, was ich meine. Alle anderen, die mich des sentimentalen Geschwafels bezichtigen, muss ich leider zu den Nichteingeweihten zählen.) Was ich noch wegtanzen würde, wenn man mich halberfroren in Sibirien nach dem Genuss von drei Flaschen Wodka und zehn Nächten ohne Schlaf auffinden würde, wäre Folgendes: 1. Alles im Dreivierteltakt, also Walzer, Landler, usw., 2. Polka, 3. Schottisch, 4. Rheinländer, 5. Galopp, 6. Fox, 7. Zwiefacher, 8. diverse Figurentänze, 9. den sehr kongenialen Timewalk, ein aberwitziges Joint Venture von Michael Jackson und Frank N. Furter, 10. Free Style, 11. Robodance und 12. ACDC Headbang. Was ich mir mit ein bißchen Übung wieder aneignen könnte, wäre ChaCha oder Rumba. Natürlich wäre auch ein bißchen Salsa nicht schlecht und, als Krönung des Ganzen, der Tango, aber dafür habe ich einfach zu gute, mitteleuropäische Hüften aus Gusseisen, die dem Esprit des Latin nicht so ganz gerecht werden. Nun ja, was nicht ist…