The funeral blues

Montag, 26. Mai 2008 17:43

Stop all the clocks, cut off the telephone,
Prevent the dog from barking with a juicy bone,
Silence the pianos and with muffled drum
Bring out the coffin, let the mourners come.

Let aeroplanes circle moaning overhead
Scribbling on the sky the message He Is Dead.
Put crepe bows round the white necks of the public doves,
Let the traffic policemen wear black cotton gloves.

He was my North, my South, my East and West.
My working week and my Sunday rest,
My noon, my midnight, my talk, my song;
I thought that love would last forever; I was wrong.

The stars are not wanted now; put out every one;
Pack up the moon and dismantle the sun;
Pour away the ocean and sweep up the wood;
For nothing now can ever come to any good.

W.H. Auden

So war das nicht abgemacht. “Wait here”, waren deine letzten Worte. Ja, nun bist du wohl dran mit dem Warten.

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Die Beisetzung

Samstag, 22. Dezember 2007 23:57

Auf dem Friedhof im Niemandsland war es heute eisig kalt, und die wenigen Trauergäste, die gekommen waren, schlotterten vor Kälte und sehnten das rasche Ende der Beerdigungsfeier herbei. Als die vier Sargträger kurze Zeit vorher die Aussegnungshalle betreten hatten, überkam mich beim Anblick der schwarzgekleideten Herren mit ihren Schirmmützen ein Gefühl der Jämmerlichkeit und der Vergeblichkeit, das sich wie ein Widerhaken in meine kreisenden Gedanken bohrte. “Du auch”, sagte der Tod und grinste mich an. Der slawische Singsang eines Priesters, das mit grünem Samt ausgelegte Grab, die letzte Reise mit dem schwarzen Gefährt von der Aussegnungshalle bis zur offenen Wunde der ausgeschaufelten Höhlung – das alles war der endgültig letzte Akt in einer grausam komödiantisch anmutenden Tragödie. Was von einem Leben blieb, war die rasch trocknende Feuchtigkeit der Tränen und eine Erschütterung, die noch lange anhalten wird, auch wenn ich nur ein fernstehender Freund der Familie bin. Wenn ich mich nach links drehe, sehe ich jetzt an der Wand das Sterbebildchen hängen, das ich nach der Feier mit meinen klammen Fingern entgegennahm. In ein paar Jahren wird es zwar vergilbt sein, aber mich immer wieder an den überwältigenden Augenblick der Trauer erinnern, in dem eine Rose und eine Margerite mit einem dumpfen Geräusch auf dem Sarg aufschlugen.

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Irgendetwas ging damals zu Ende,

Montag, 1. Oktober 2007 21:31

und ich kann nicht einmal sagen, was es war. So wie eben alles zu Ende geht und der Schrecken um sich greift und würgt und einen nicht mehr atmen läßt. Ich hatte eine Anzeige aufgegeben, um meine alte, verstaubte Zither loszuwerden; sie hatte mich nicht gestört, ich brauchte nur etwas Geld, um mir das Nötigste zum Essen zu kaufen. Aber auch das war nicht weiter schlimm, sondern vorhersehbar und unvermeidlich; ich kannte niemanden, den ich um Geld hätte angehen können, und meine Eltern kamen dafür nicht in Frage. Als jedoch der Käufer auftauchte, meine Zither als billigen Schrott bezeichnete und sie misshandelte, um ihr einige falsche Töne zu entlocken, da wußte ich plötzlich sehr genau, was sie mir bedeutete und welchen Teil meines Lebens sie repräsentierte. Ich wollte sie nicht hergeben, aber der Hunger war stärker. Schließlich saß ich vor den Wurstsemmeln und brachte keinen Bissen hinunter. So, denke ich mir, so muss sich der Tod anfühlen.

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Der Tod und die CD

Donnerstag, 17. Mai 2007 23:25

Beiläufig erfahre ich vom Tod meiner Mutter. Als ich die Nachricht höre, fühle ich mich seltsam leer und betroffen, aber nicht wirklich traurig. Es ist, als würde ein Stück meines Lebens unwiederbringlich zerstört werden. “Meine Mutter? Wie kann das sein?”, frage ich den gesichtslosen Überbringer der Nachricht. Noch vor wenigen Tagen versuchte sie, mir im Krankenbett einen Brief zu schreiben. Leider reichte ihre Kraft nicht mehr aus, um ihn fertigzustellen. Ich sehe das Blatt und eine Zeile ihre typische Handschrift im Traum vor mir, und eine starke Sehnsucht nach ihrer Anwesenheit überschwemmt mich plötzlich. Unvermittelt wird meine Aufmerksamkeit jedoch von etwas anderem beansprucht: ich öffne einen Briefumschlag und ziehe eine CD hervor, auf der sich eine Collage von Elsas lyrischen Texten und einigen Musikstücken befindet. Die CD hat ein rotes Cover, auf dem in großen orangen Buchstaben “Elsas Nacht(b)revier” steht. Ich nicke anerkennend mit dem Kopf. “Nun hat sie ihr Versprechen eingelöst!”, ist mein erster Gedanke. Der Bitte von einigen anderen anwesenden Personen, die CD abzuspielen, komme ich gerne nach. Ich gehe über eine Treppe in das Erdgeschoß und lege sie in den CD-Player ein. Als ich wieder nach oben komme, schallt es mir entgegen: “Lauter! Wir hören ja gar nichts!” Wenig später gelange ich in einen Seitenflügel des weitläufigen Hauses, in dem ich mich aufhalte. Dieser Trakt wird von Geistern bewohnt, wie ich aus früheren Träumen weiß. Ich muss eine kleine Abstellkammer absperren und beeile mich, bevor ich wieder Geister zu sehen bekomme. Um so verwunderter bin ich, als ich zwei Freundinnen im Raum sehe, die dort auf dem Boden sitzen und völlig ins Gespräch vertieft sind. Offensichtlich wissen sie nichts von den bösartigen Geistern, und ich frage sie zögerlich: “Kommt ihr zurecht? Darf ich hier absperren?” Beide nicken unkonzentriert. Als ich die Flügeltüren der Kammer schließe, bemerke ich, dass sie aus schwarzem, glänzendem Ebenholz geschnitzt und mit klassisch-strengen Ornamenten versehen sind.

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