Geburtstagstraum: Der Betrug

Zwei Kollegen bieten mir und meiner Familie Finanzgeschäfte an, die auf den ersten Blick attraktive Renditen versprechen. Ich vertrete dabei meine Familienmitglieder und unterschreibe die Verträge, die mir vorgelegt werden. Die Transaktionen enden jedoch schon nach kurzer Zeit im Totalverlust. Nachdem so das Geld meiner Großmutter und das meiner Mutter verloren gegangen ist, soll ich aus eigener Tasche neues Geld nachschießen, um weitere absehbare Verluste auszugleichen. Dem Kollegen, der mich „betreut“, drohe ich eine Anzeige des zweiten Kollegen an, der im Hintergrund die Strippen zieht, und weigere mich, noch mehr Geld zu investieren. Er wirkt dabei verunsichert und weist mich vage darauf hin, dass der zweite Kollege darüber nicht gerade erfreut sein dürfte. Als ich diesem zweiten Kollegen nach einigen Ausweichmanövern begegne – der im Übrigen dem äußerst zudringlichen und unsympathischen B. ähnelt – und er sich auf mich stürzen will, um eine unnötige Diskussion zu beginnen, schnauze ich ihn mit den Worten an: „Wenn du dich mir nur auf zwei Meter näherst, zeige ich dich wegen Nötigung an.“ Er sieht mich ungläubig an und stammelt dann: „Nein, das tust du ja doch nicht.“ Er ahnt nicht, wie ernst es mir mit meinem Vorhaben ist. Zur Sicherheit lasse ich mir von der Rezeptionistin vor dem Eingang des Hotels, in dem ich gerade übernachte, den Weg zur nächsten Polizeistation beschreiben. Diese ist in einem Zelt untergebracht und liegt nur einige hundert Meter entfernt an einer staubigen Feldstraße, die vom Hoteleingang zur nächsten Ortschaft führt. Auf dem Weg dorthin wird es allmählich stockdunkel. Als ich von außen mit der flachen Hand auf die grüne Zeltplane schlage, um mich bemerkbar zu machen, wird eine Art Eingang von einem Polizisten geöffnet, der mich fragt, was ich denn wolle. Ich höre nur seine Stimme und sehe seine blankgeputzten schwarzen Stiefel auf Augenhöhe, da der Boden des Zelts etwa zwei Meter erhöht ist. „Ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin“, antworte ich und schildere dem Polizisten umständlich mein Problem. Ich habe Angst, man könnte mich wieder heimschicken; schließlich bin ich an den Vorfällen nicht ganz unschuldig. „Nein, hier sind Sie genau richtig, wir haben gerade einen Spezialisten für Betrugsfälle bei uns.“ Ich bin erleichtert und steige eine Holztreppe zum Zelt hoch. Und schon begrüßt mich dieser Spezialist, der vom Nikotin gelb verfärbte Zähne hat, einen zerknitterten Trenchcoat sowie eine schwarze Hornbrille trägt und einen aus dem Mund fließenden Speichelfaden bei sich zu behalten versucht. Er ist äußerst eifrig und geleitet mich zu einem Tisch in der Polizeistation, die im Inneren sehr an ein überfülltes, stickiges Bierzelt erinnert. Plötzlich tanzt ein kleines Mädchen vor mir her und bedeutet mir, mich auf einen bestimmten Platz zu setzen. Als seine Mutter es ermahnt – „Du blockierst ja alles, siehst du denn nicht, dass alle Leute hier vorbeiwollen!“ – verschwindet es wieder, nicht ohne mich darauf hinzuweisen, dass es mich später noch einmal zu sehen wünsche: „Kis-sen! Kis-sen!“ Ich verstehe „Küssen“, was mir sehr peinlich ist. Der Spezialist für Betrugsfälle sitzt schließlich rechts neben mir an der Längsseite des Tischs und mustert mich aufmerksam bei den Abschiedsworten des kleinen Mädchens.

Zwei scharze Stiere

Ich laufe eine sehr steile Freitreppe nach oben, die zur Außenanlage eines Schlosses oder einer Residenz etwa aus der Zeit des Barock oder des Rokoko gehört, und gelange schließlich atemlos auf eine sehr große, quadratische Plattform. Es ist ein lauer Sommerabend kurz nach Sonnenuntergang, und gegenüber sehe ich das saftige Grün eines schattigen Waldes. Als ich nach unten blicke, sehe ich ein dynamisches Paar von zwei sehr wilden, schwarzen Stieren auf der Treppe nach oben preschen, die bald auf mich als Blitzableiter ihrer ungeheuren Energie treffen werden. Ich stoße sie an den Hörnern wieder zurück und bin freudig überrascht über ihre ungezügelte, überwältigende Kraft. Einer der beiden Stiere gibt jedoch nicht auf und jagt erneut mit einer unglaublichen Geschwindigkeit nach oben, um mich in einem erneuten Versuch mit seinen Hörnern aufzuspießen oder zu Boden zu werfen. Ich überlege kurz, mich auf den schmalen Vorsprung zu retten, der die Treppe säumt. Als ich so hoch über der Stadt herumtänzele, schäumt der schwarze Stier zu meinen Füßen vor Wut. Ich steige die Treppe etwas weiter hoch; rechts von der Treppe befindet sich ein schwarzer, schmiedeeiserner Gitterzaun vor einer Kirche, der eine kleine Altarnische mit darüber angebrachten Kreuz an der Kirchenmauer vor den vorbeieilenden Passanten schützt. Die kleine Türe quietscht in den Angeln, als ich sie öffne. Auf der anderen Seite des Gitters locke ich den schwarzen Stier spielerisch in diesen geschützten Raum, indem ich die Tür provozierend hin- und herschwenke. Als der Stier den Zugang durchquert, verwandelt er sich in einen aufrecht gehenden Menschen mit einem schwarzen Umhang. Hier bekomme ich ihn nun endlich zu fassen und drücke ihn sehr fest in die Altarnische unter das Kreuz. „Glaubst du an Gott?“, frage ich mein Gegenüber, das mich voller Angst ansieht. Ich bekreuzige mich mehrere Male und lasse dann mit der Gewissheit von ihm ab, dass er mich in Zukunft nicht mehr belästigen wird.

Assoziationen: Festung Marienberg in Würzburg, Residenz in Würzburg, Stierkampf, Sternzeichen Stier

Das Hotel und der Schalter

Ich habe in einem ungewöhnlichen Hotel Quartier bezogen, dessen Gänge gewunden und sehr eng sind. In einem matt beleuchteten Gang steht mitten auf dem roten Teppich eine Säule, an der ich mich nur mit größter Mühe und Not vorbeiquetschen kann. Leider muss ich, um zu meinem Trakt zu gelangen, immer diesen Gang benutzen. Ich habe außerdem die Aufgabe, einen Schalter zu betätigen, der in einer kleinen und versteckten Nische in einem Quergang untergebracht ist. Mit dem ersten Schalter kann ich die elektrische Versorgung eines anderen Bauteils an- und wieder ausschalten, während ich mit dem zweiten verschiedene bläuliche Licht – und elektrische Effekte erzeugen kann. Kurz darauf erfahre ich auch, dass diese Effekte in einem museumsähnlichen Saal zu Schau gestellt werden. Der Hotelbesitzer hat einen Vertrag mit einem Werbeunternehmen abgeschlossen, in dessen Werbekonzept ich eine tragende Rolle spiele. Ich soll einige Bekannte einladen und sie, ohne dass sie mich sehen können, in diesen Saal lotsen, in dem sie auf mich warten und die Lichteffekte bestaunen sollen. Gleichzeitig soll ich Ihnen das Gefühl vermitteln, ich befände mich bereits unter ihnen, bis ich leibhaftig vor ihnen erscheine. Diese Sequenz mit der abschließenden Überraschung wird filmisch festgehalten und dient als Grundlage für den Werbetrailer eines Luxusprodukts. Als Gegenleistung darf ich umsonst in diesem Hotel nächtigen. Zweimal hintereinander läuft alles tatsächlich so ab, wie es das arg umständliche Drehbuch vorsieht – meine Bekannten strömen aus einer dunklen, kalten und sehr großen Vorhalle in den Saal, ich betätige die Schalter und laufe dann selbst zum Saal, um sie zu begrüßen. Beim dritten Mal jedoch ist es wie verhext – ich komme viel zu spät zum Schalter. Wie um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, drücke ich ihn zu oft und zu heftig. Das Metallgehäuse, in das der Schalter eingelassen ist, löst sich aus der Wand. Dahinter befinden sich die Kabel und ein beleuchteter Hohlraum mit einem Zettel – ein Vertrag, den der Hotelbesitzer aufgesetzt hat. Mit Bleistift hat er darauf den Betrag festgehalten, mit dem meine Unkosten beglichen werden sollen, nämlich 10 Euro für jede Betätigung des Schalters. Als ich das lese, steigt langsam Wut in mir hoch. Ich wußte nicht, dass ihm meine Mitwirkung so wenig wert ist. Dennoch haste ich zum Saal, um zu retten, was noch zu retten ist. Aus dem Saal strömen mir jedoch schon hustend meine Bekannten entgegen. Eine mir unbekannte, junge Frau sieht mich an und meint: „Geh besser nicht hinein…“

An der Rezeption unterhalte ich mich mit den Empfangsdamen. Die Dame links von mir trägt ein rotes, wadenlanges Kleid, während ihre Kollegin mit einem Top aus denselbem Stoff bekleidet ist. Ihre Oberkörper gleichen sich deswegen bis in die Details – sogar das Dekollete der beiden Damen ist nicht zu unterscheiden. Ich kann mich vom Anblick ihrer Brüste, die sich unter der Kleidung abzeichnen, nicht losreißen und bin sehr verwirrt.

Assoziationen: Milgram-Experiment, atmosphärisch stark an den Film „A beautiful mind“ erinnernd

Neujahrstraum

Ich befinde mich in China und besichtige in der Nähe der Metropole Shenzen einige Fabriken, die Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs produzieren. Mein persönlicher Begleiter ist ein hoher Parteifunktionär der KP Chinas, der die Aufgabe hat, sich um ausländische Gäste zu kümmern; ich übersehe ihn aufgrund seiner Körpergröße ständig (eigentlich nehme ich nur seine pechschwarzen, sorgsam frisierten schwarzen Haare wahr), höre aber dafür um so eindringlicher seine Stimme neben mir. Die Fabriken liegen in einem riesigen Gewerbegebiet und bestehen aus großen Hallen, deren metallische Außenhaut in der Sonne glänzt. Auf den Straßen hat sich der neu gefallene Schnee in Schneematsch verwandelt, während die Straßen selbst wieder mit einer leichten Eisschicht bedeckt sind. Die Besichtigung ist abgeschlossen, und mein Begleiter lädt mich ein, mit ihm in einem winzigen Arbeiterlokal in der Nähe eine Spezialität dieser Region zu probieren. Ich rutsche mit den Füßen die gefrorene Straße hinab auf eine blaue, schmale Wegweisertafel zu, auf der in weißer Schrift teils in chinesischen Schriftzeichen, teils in römischen Buchstaben die einzelnen Firmen verzeichnet sind, und habe Angst, sie in voller Fahrt umzustoßen. Glücklicherweise komme ich aber kurz vor ihr zum Stehen. Weiterlesen

Verkauf der Partnerin

Ich haste eine Treppe zu einer Freiterrasse hoch, die sich außen um ein Gebäude schlängelt. Es ist ein modernes, lichtdurchflutetes Gebäude, das im Inneren ein großzügig geschnittenes Restaurant beherbergt. Das Restaurant ist überfüllt und bis auf den letzten Platz mit Leuten besetzt, die ich aus der Arbeit zu kennen scheine. Der Sonnenschutz besteht aus vor den riesigen Glasflächen aufgehängten Lamellen aus hellem Holz. Auch die Bohlen der Freiterrasse, die dort stehenden Tische und Stühle sind aus denselbem Holz gefertigt. Auf der Freiterrasse treffe ich auch zwei elegant in Frack gekleidete Herren mit Zylinder, die eher in das London des 19. Jahrhunderts als hierher zu passen scheinen. Sie wollen mir einen Kredit in Höhe von einer Million Euro anbieten, dessen Konditionen ich nun mit ihnen aushandeln will. Die berufliche Zukunft der anwesenden Menschen hängt davon ab, ob ich diesen Kredit bewilligt bekomme, und sie sind während der Unterhaltung mit halbem Ohr anwesend. Die beiden Herren eröffnen das Gespräch sehr herablassend: „Was wollen Sie denn haben?“ „Eine Million“, antworte ich Ihnen. „Nun, Sie können aber auch weit mehr haben.“ „Gut“, sage ich, „drei Millionen“ und strecke Ihnen meine Hand hin, um das Geschäft zu besiegeln. Einer der beiden schlägt schlaff ein. „Nun zu den Konditionen. Was verlangen Sie?“ Ich stehe noch immer am Tisch und habe mich nicht gesetzt. Ich bin voller Schwung und überschlage im Kopf schon die Kosten für die Zinsen, die ich im nächsten Augenblick erfahren werde. Die beiden Herren zieren sich. „Wir wollen nun, äh, Ihre Partnerin.“ Und nach einer Pause: „Es wäre natürlich sehr hilfreich für uns, wenn die Trennung von Ihnen ausgehen würde.“ „Wie in aller Welt kommen Sie denn darauf, dass Sie sich Ihnen in die Arme wirft, nachdem ich mich von ihr getrennt habe?“ Ich denke fieberhaft darüber nach, ob ich nun tatsächlich meine Partnerin verkauft habe und ob das überhaupt möglich ist, während ich mich mit den beiden Herren unterhalte. An dieser Stelle wache ich auf.

Menschenversuche

Ich arbeite als Laborant in einer Forschungsstation, in der als hoch geheimes Projekt die nächste Stufe der menschlichen Evolution experimentell vorbereitet werden soll. Dazu dienen einerseits lebendige oder tote Menschen, deren DNA bestimmte Fehler aufweist, als auch Selbstversuche, die Wissenschaftler an sich selbst durchführen. In mehreren Räumen sind Bestrahlungsapparate untergebracht, die Genmutationen menschlichen Erbmaterials diagnostizieren, therapieren, bei einer Anpassung der Strahlendosis aber auch provozieren können. Um einiges vielversprechender scheint jedoch die Arbeit der Wissenschaftler im hinteren Trakt des Forschungsgebäudes zu sein. Hier sind die Untersuchungen schon so weit fortgeschritten, dass die Mutationen medikamentös ausgelöst werden können. Zufällig sitze ich im Pausenraum einer Versuchsperson, einem Wissenschaftler, gegenüber; seine Augenpartie zeigt ein merkwürdiges, hyperreales Strahlen und einen Silberblick, der mich irritiert. Er trägt einen dünnen,weißen und längs gestreiften Rollkragenpullover, einen weißen Laborkittel und hat eine sehr auffällige Kopfform. „Mit diesem Blick könntest du jemanden in den Wahnsinn treiben.“ Der Wissenschaftler schmunzelt dabei. Als ich hinter ihm stehe und er mir den Kopf zuwendet, sehe ich, dass seine Augen tatsächlich merkwürdig aufgequollen sind, gerade so, als würde er übergroße und sehr dicke Kontaktlinsen tragen. Auf der gesamten Station spüre ich eine fiebrige und intensive Arbeitsatmosphäre wie vor einem Durchbruch oder einer großen Katastrophe. Ich scheue mich, den hinteren Teil zu betreten. Gerüchteweise sollen dort nämlich auch schon Menschen herangezüchtet worden sein, die Gedanken anderer lesen und beeinflussen können.

Wenig später wird die Forschungsstation tatsächlich von Polizei und den Truppen der Regierung gestürmt, die allerdings mit ihren automatischen Schnellfeuergewehren wenig ausrichten können. Sie können zwar die Experimente stoppen und die Räume versiegeln, aber die Evolution, die hier in Gang gesetzt wurde, ist nicht mehr aufhalten. Ich sehe den Einsatzkräften bei ihrer Erstürmung zu. Aus dem oberen Stockwerk des Gebäudes der Foschungsstation kippt jemand pulverartige Sporen in verschiedenen Farben in den darunterliegenden Teich. Dort beginnen sie wild zu schäumen und neue Lebewesen hervorzubringen. Völlig gegen meinen Willen beginne ich plötzlich, die Sporen im Teich zu verteilen. Wenn sie von dort in die Kanalisation gelangten, wäre das der Super-GAU. Ich stehe mitten im Teich und betrachte die braune, schäumende Masse, als in mir plötzlich Übelkeit aufsteigt und ich mich krümmend vor Ekel wieder aus dem Teich winde.

Im dritten Teil meines Traums scheinen sich die Mutationen bereits flächendeckend fortgesetzt zu haben. Ich werde jetzt für Botendienste der Regierung eingesetzt und stehe als ehemaliger Mitarbeiter der Station unter ständiger Beobachtung. Als ich an einem Parkplatz ein Toilettenhäuschen betrete, in der ein Wandschrank steht, sehe ich die Chance, meine unsichtbaren Verfolger abzuschütteln. Ich räume den verglasten Wandschrank aus und verstecke mich selbst darin. Oben kann ich noch durch das Glas hindurch sehen, wer sich im Toilettenraum befindet. Seltsamerweise habe ich aber auch die vorbeifahrenden Fahrzeuge und den Parkplatz im Blick. Als ein Polizeifahrzeug vorbeifährt, hoffe ich, dass sich mein Versteck bewährt. Aber der Vorhang vor dem Glas ist plötzlich viel zu klein, und ich kann mich nicht mehr sicher fühlen. Ich verlasse den Schrank wieder, um nach einem neuen Versteck zu suchen.

Assoziationen: X-Men, eine Sendung von BR-Alpha über Nutrigenomik, Spore (ein neues Spiel von EA-Games), Röntgenabteilung UKR

An der Tankstelle

Traum in Schwarzweiss: Ich gehe auf ein Kaufhaus zu, in dessen Erdgeschoß eine Tankstelle untergebracht ist. Es könnte von der Lage her die neue Wache am Neupfarrplatz sein, aber die Häuser ähneln nur entfernt den Gebäuden, die am Neupfarrplatz anzutreffen sind. Auch hier gibt es jedoch einen großen, glatt und gleichmäßig gepflasterten Platz mitten in der Stadt, an den der Shop der Tankstelle unmittelbar angrenzt. Irgendein Plastikschild, das aussieht wie ein Stück Holz, liegt umgedreht auf dem Boden, so dass ich seine Beschriftung nicht lesen kann. Ich nehme mir vor, es später aufzusammeln. Meine Schicht hat bereits begonnen, und einige Kunden warten schon. Ich stürme an die Kasse hinter der Theke und bediene einen besonders ungeduldigen Kunden, der mir seufzend, als sei ich ein Vollidiot, seine Kundenkarte zur Bezahlung reicht. Als der erste Ansturm vorüber ist, kann ich mich um die Sauberkeit im Shop kümmern und die Vorräte auffüllen. Ich reiße eine Packung Milka Naps auf und schütte sie in eine Schachtel neben der Kasse. Diese Naps sind nur für das Personal gedacht. Offensichtlich besucht mich gerade ein Kollege oder der Chef, denn irgendjemand steht neben mir und äußert sich anerkennend darüber, dass ich auch die Milka Naps im Blick habe. Ich kontrolliere anschließend die im hinteren Teil des Gebäudes gelegenen Lagerräume und entdecke einen Raum mit einer großen, weißen Wanne, die auch als Dusche genutzt werden kann. Dieser Raum ist bis unter die Decke weiß gefliest und erinnert mich an einen Schlachtraum beim Metzger – an den Wänden hängen Wasserschläuche und große Plastikschürzen. Erst jetzt bemerke ich eine Schlange schwitzender Männer in Badehose, die alle duschen wollen. Ich bin so erbost darüber, dass ich zu ihnen sage: „Das ist hygienisch äußerst bedenklich. Ich werde euch alle anzeigen.“ Die Männer, die ich anspreche, laufen zwar sehr schnell an mir vorbei und trocknen sich im Hinauslaufen ab, aber die Schlange reißt nicht ab. Es kommen immer noch Männer, die in der Wanne duschen wollen. Irgendwann stehe ich wieder auf dem Platz vor dem Shop und sammle herumliegende Papierfetzen ein, die den Platz verschmutzen könnten, und ich wundere mich, dass an der Tankstelle und im Shop kein Betrieb herrscht, obwohl beide mitten in der Stadt liegen. Wie auf ein Stichwort versuche ich, für einen Kunden in der Straßenbahn ein Ticket zu lösen, und fahre über mehrere Stationen aus der Stadt hinaus. Mein Chef wird zwar toben, dass ich während meiner Schicht die Tankstelle im Stich lasse, aber an der Endstation öffnet sich ein gewaltiges Panorama: nur wenige hundert Meter entfernt und zum Greifen nah erblicke ich eine mehrere Kilometer lange, massive Felswand, die steil in die Höhe ragt. Dahinter sind die ersten schneebedeckten Gipfel des Hochgebirges zu erahnen. Ich kann von hier aus, als würde ich durch ein Fernglas sehen, sogar einen Pfad erkennen, auf dem sich einige Wanderer abmühen. Aber dieser erste, überwältigende Eindruck hält nicht lange an, da tiefliegende Wolken einen Teil der Felswand und die Berge wieder verhüllen. Ich bin berauscht von dieser Weite und kann mich gar nicht an ihr sattsehen. Und dennoch sage ich mir, es wäre an der Zeit, wieder in die Stadt zurückzukehren.

Macbethiade

„When shall we three meet again? / In thunder, lightning, or in rain?“
„Will all great Neptune´s ocean wash this blood / Clean from my hand?“
Shakespeare, Macbeth

Ich lege mich im alten Haus meiner Großeltern zum Schlafen auf das Sofa. Die Wohnung hat nicht wirklich wohnlichen Charakter, sondern ist bis an die Decke mit Müll und Krempel vollgestopft. Aus mir völlig unduchsichtigen Gründen werde ich hier gefangen gehalten; für die folgende Nacht habe ich jedoch bereits meine Flucht mit dem Haustier, einem schwarzen Kater, abgesprochen. Mitten in der Nacht stehe ich auf und schleiche mich mit dem Kater, der mir folgt, in die nebenan liegende Scheune, um aus einem Fenster zu steigen und durch den Garten zu entwischen. Unabsichtlich haben wir dabei auch den Besitzer des Hauses geweckt. Ich verstecke mich in einer riesigen braunen Pappschachtel und decke mich mit einer Lasche zu, während sich der schwarze Kater in eine Spalte an der Wand zwängt. Ich bin mir völlig sicher, dass wir, wenn wir uns still verhalten, vom Besitzer nicht entdeckt werden können; das haben wir in der Vergangenheit bereits ein paar Mal geübt, und es ist uns bisher jedes Mal gelungen, unbemerkt und fast unter der Nase des Besitzers aus dem Haus zu gelangen. Der Hausherr scheint direkt dem Roman „Der Golem“ von Gustav Meyrink entsprungen. Es handelt sich um den Trödler Aaron Wassertrum, der jede körperliche und seelische Häßlichkeit auf sich vereint. Als er, wie ich erwartet hatte, in der Scheune tatsächlich nach mir und dem schwarzen Kater zu suchen beginnt, ertrage ich seine Gegenwart nicht mehr und schieße ihm mit einer trompetenähnlich nach außen gebogenen Flinte mitten ins Gesicht. Er fällt um, röchelt kurz und bleibt mit gelblichen, erstaunt aufgerissenen Augen auf dem Rücken liegen. Ich bin wie vom Donner gerührt, dass ich ihn getöte habe, obwohl es nicht notwendig gewesen wäre. Nun geht alles sehr schnell: plötzlich bricht Feuer in der Scheune aus, und alle Bewohner des Hauses, unter anderem meine Mutter, meine Brüder und die Familie meines Onkels, müssen sofort das Haus verlassen. Unter den Türen strömt bereits weißer Rauch hervor. Wir packen in höchster Eile alles zusammen und werfen es in den Kofferraum des auf einer kleinen Anhöhe bereitstehenden BMW, dessen hintere Stoßstange wegen der vielen geladenen Gepäckstücke fast den Boden berührt. Ob das auch noch gut gehen wird, wenn wir alle zusammen im Auto sitzen? Ich drehe mich um und betrachte gemeinsam mit meiner Mutter die hell lodernden Flammen, die aus den Fenstern und unter dem Dach hervorschießen. Sie schluchzt. Meine gescheiterte Flucht, der Mord, das Feuer – all das war von langer Hand geplant und teilweise inszeniert. Ich werde sicherlich als Mörder identifiziert werden, auch wenn die Tatwaffe und die Leiche in den Flammen zu Asche verbrennen sollten.

Mother Nature´s Son

Voller Stolz blicke ich auf meine Arbeit: ich habe eine Art Kunstwerk geschaffen, das mit einer archäologischen Sensation zusammenhängt. Der provisorische Bau aus grauen Mauern, der die von mir behauenen, gelben Steine schützen soll, ist zwar relativ weitläufig, aber an mehreren Stellen kaum passierbar, ohne sich in große Gefahr zu begeben. Dennoch flanieren viele sonntäglich herausgeputzte Besucher durch das Haus und die Anlage, die sich ringsherum erstreckt, während ich selbst schmutzige Arbeitskleidung trage. Die Besucher unterhalten sich in einem gedämpften Ton miteinander und rufen ab und zu „Ah!“ oder deuten auf eine interessante Steinformation. Es ist Zeit für das Mittagessen. Am Fluchtpunkt von drei langgezogenen, steilen Treppen steht mitten in einer nicht näher definierten, städtischen Umgebung der Wagen von B. B. hat mir drei längliche, äußerst wohlschmeckende Dinge eingepackt. Am Wagen von B. befindet sich zudem eine ausklappbare Tisch-Sitz-Kombination, auf der nun eine rot-weiß-karierte Decke ausgebreitet liegt. Ah, herrlich! Auch ein Glas jungen, frischen und belebenden Weißweins steht schon bereit. Dennoch muss ich zunächst auf meine Stärkung verzichten, denn kurz darauf robbe ich durch das Dachgeschoss des Baus und sehe durch die Lücken der nur lose aufeinandergelegten Bretter auf die Besucher hinab. Die Decke ist doch um einiges höher, als ich dachte. Ich falle durch die Bretter hindurch und kann mich glücklicherweise an den Steinen festhalten. Meine Handinnenflächen sind jedoch vollkommen aufgeschürft. Später sitze ich mit zwei jungen Frauen im Gras und zeige ihnen meine Handinnenflächen. Sie sind beide sehr elegant in Schwarz gekleidet, stören sich aber bei unserem Gespräch nicht im Geringsten daran, dass ich über und über mit gelbem Staub bedeckt bin und dringend eine Dusche bräuchte. Ich weiß nicht, warum, aber ich bin bei alldem so vergnügt und zufrieden, dass ich mich selbst kaum wiedererkenne.

PS: Der Song der Beatles macht mir momentan das Herz sehr schwer. Vielleicht passt er auch deswegen so ausgezeichnet zu diesem Traum.

Traumbilder

Ich sitze, in die Arbeit vertieft, neben B. am Bildschirm, als plötzlich ein beiger Vogel wie auf einem Laufsteg an der Tischkante entlangläuft und nur für uns kleine, drollige Einlagen vollführt. Er scheint ein plüschiges Fell zu tragen, so dass ich nach ihm greife, um das Fell zu betasten. Er beginnt, auf dem Tisch wie verrückt nach nicht vorhandenen Körnern zu picken. Als ich ihn in der Hand halte, hackt er mit seinem spitzen, starken Schnabel in meine Hand und windet sich unter meinem Zugriff; B. wirft dem Vogel und mir einen kurzen, spöttischen Seitenblick zu und sagt zu mir: „Pass auf, sonst verletzt er dich noch!“ Ich lasse ihn los, woraufhin er durch das offene Fenster in die dunkle Nacht verschwindet. – Ein älterer, weißhaariger, fast körperloser Mann versieht mich wie einen Paladin aus Diablo II mit magischen und hochpotenten Ausrüstungsgegenständen, wie etwa einer ledernen Rüstung, einem Helm und zwei äußerst scharfen Klingen, die wie Hörner eines Nashorn nach oben von meinen zusammengeballten Fäusten abstehen. Wir stehen vor einer weißen Wand, als der alte Mann plötzlich eine Tür aufstößt und mir warnend zuflüstert: „Pass auf, du wirst dich gewaltig erschrecken…aber du wirst Erfolg haben.“ Ich bebe innerlich vor dem, was ich gleich zu Gesicht bekommen werde. Zunächst entferne ich mich von der offenen Pforte, um später wieder auf sie zuzugehen. Es ist mir wichtig, die Gefahr vor mir und nicht in meinem Rücken zu haben.