Die Welle der Wiedergeburt

SchattenIm Hallenbad treffe ich mehrere Menschen, aber bis auf das lästige Gefühl, unentwegt von Menschen und seltsamen schwarzen Meerjungfrauen verfolgt zu werden, kann ich mich kaum deutlich an Einzelheiten erinnern. Einmal springe ich vom Beckenrand in das Wasser und verlasse kurz darauf bereits wieder das Hallenbad. Ich gehe eine steil ansteigende Rampe hinauf, die in einen rundum verglasten Durchgang mündet. Das nächste Fragment beginnt in einem Lokal. Ein Mitglied der früheren Theatergruppe stellt in der Runde die Frage, wohin denn ein bestimmter, teurer Bildband verschwunden sei. Ich äußere die Vermutung, dass es nur zwei Leute sein könnten, nämlich S. und R., bei denen der Bildband wahrscheinlich zuhause herumliege. Als ich kurz darauf nachsehen will, stehe ich plötzlich im Jugendzimmer meines älteren Bruders. Der Raum ist ein Spiegelbild seiner zerrissenen Seele: die Schranktüren stehen offen und Kleidung liegt überall verstreut herum. Insgesam hat der Raum eine dunkle und kalte Ausstrahlung. Die nächste Szene führt mich auf eine Ebene vor der Stadt. Halblaut stelle ich die Frage, wozu die vorhergenden raschen Szenenwechsel dienen sollten. Alles, was ich beobachtet hatte, war ein Kampf zwischen Göttern und Dämonen. „Nun“, sagt eine dunkle, tiefe Stimme, „sie wollten vermutlich das hier verhindern.“ Die Stimme hat keine Gestalt, dennoch sehe ich ihre ausgebreiteten Arme, mit denen sie sich dem Himmel zuwendet. Ich drehe mich um und sehe, wie der Himmel aufreißt und tausende schwarzer Punkte herausströmen, die rasch näherkommen. Es sind Seelen, die wiedergeboren werden. Sie fliegen als unbestimmte weiße Schatten heran und durch mich hindurch. Einen kurzen Augenblick lang spüre ich die Gegenwart jeder einzelnen Seele und erfasse ihr individuelles Schicksal im Bruchteil einer Sekunde. Hinter mir ist ein Bildschirm aufgestellt, auf dem die Akten und Karteikarten dieser Menschen in einer unglaublichen Geschwindigkeit hintereinander durchrasen. Es ist fast wie bei einem Suchlauf der Polizei, wo in der Datenbank ein bestimmtes Gesicht gesucht wird und alle Gesichter in schneller Abfolge auf dem Bildschirm erscheinen – nur dass hier jedes einzelne Gesicht zählt. Ansschließend verpacke ich die DVD, die die Daten all dieser Menschen enthält, in ein Stück grauen Karton, klebe die Hülle zu und reiche das kleine Paket sorgfältig verschlossen meiner Begleiterin, die ich bisher nicht wahrgenommen hatte. „Pass gut darauf auf“, sage ich zu ihr, „und gib sie niemandem, außer ich selbst verlange sie wieder zurück.“ „Und wie soll ich wissen, dass du es bist?“, fragt sie zurück. Sie hat Recht. Ich hatte nicht bedacht, dass sich jedes beliebige Wesen in meine Person verwandeln könnte. Wir müssen irgendein Zeichen vereinbaren. Unmittelbar im Anschluss an diese Überlegung höre ich ein Geräusch wie von einem Reißverschluss und fahre in Schweiß gebadet hoch.

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Vorstellungsgespräch

Im Krankenhaus. Zusammen mit einem OP-Pfleger, den ich kenne, gehe ich zu den Spinden, die seitlich in einem Gang aufgestellt wurden. Mir wird langsam klar, dass ich ebenfalls als Pfleger in der Intensivstation arbeiten werde. Die Station selbst ist als abgetrennter Bereich an einen verglasten Kreuzgang angeschlossen, in dessen Mitte sich Büros und radiologische Untersuchungsräume befinden, die von einer gläsernen Kuppel überwölbt werden. Es dringt nur diffuses und schwaches Licht in die unterirdische Anlage, die mit ihren Glas- und Spiegelflächen wie ein Aquarium wirkt. Irgendwo in diesen Gängen steht auch mein Schreibtisch. Eine einzelne, übrig gebliebene Rechnung zieht meine Aufmerksamkeit auf mich. Was soll ich tun? Telefonieren? Ich bin mir nicht sicher und wandere unentschlossen durch die Gänge, wobei ich einen Kollegen aus der Medizintechnik treffe, der meine Kleidung in gewohnter Manier lautstark und ironisch kommentiert: „Gehörst du jetzt auch zu den Pflegern?“ Dabei fällt mir siedend heiß ein, dass ich mich ja auf eine freie Stelle als Pfleger beworben habe. Als ich gerade auf die Station gehen will, öffnet sich eine der Bürotüren und der Oberarzt der Intensivstation tritt heraus. Er trägt eine Brille, einen Schnauzbart und hält ein Klemmbrett in der Hand. „Halt, Herr T.! Sie will ich auch noch sprechen!“ Weiterlesen

Dicker Fisch an der Angel

Ich soll gemeinsam mit anderen einen gefährlichen Hai fangen und ihn an Land ziehen. Dabei treibt mich die Sorge um, das Tier könne meine Hand abbeißen. Mein Begleiter, der das Unternehmen leitet, zeigt mir, wie man es anstellt, den Hai zu fangen: er rammt einen Angelhaken in sein Fleisch und zieht den Hai an der Leine mit sich. Schließlich gibt er mir die Leine in die Hand und bedeutet mir, den Hai gegen die Strömung einen Kanal aufwärts zu ziehen. Ich bin mir nicht so sicher, ob das gelingen kann – der Haken erscheint mir sehr klein und die Leine ist zu dünn, um das Gewicht des Hais auszuhalten. Plötzlich gelangen wir in die oberste Etage eines Hochhauses, da mein Begleiter eine wichtige Person sprechen will. Immer noch halte ich die Leine in der Hand und wundere mich darüber. Als ich mich aus einem Fenster lehne und in die Dunkelheit starre, sehe ich einen weiß leuchtenden Fisch, der auf dem trüben, schlammigen Wasser des Kanals schwimmt. Immer wenn ich an der Leine ziehe, bläht er seine Kiemen zu ungeheurer Größe auf. Ich erkenne deutlich jede einzelne Gräte und wende mich erschrocken ab.

PS: Diesen Traum träumte ich irgendwann Mitte April; ich fand ihn gestern nur zufällig in meinem Fundus nicht veröffentlichter Beiträge.

Der Tod und die CD

Beiläufig erfahre ich vom Tod meiner Mutter. Als ich die Nachricht höre, fühle ich mich seltsam leer und betroffen, aber nicht wirklich traurig. Es ist, als würde ein Stück meines Lebens unwiederbringlich zerstört werden. „Meine Mutter? Wie kann das sein?“, frage ich den gesichtslosen Überbringer der Nachricht. Noch vor wenigen Tagen versuchte sie, mir im Krankenbett einen Brief zu schreiben. Leider reichte ihre Kraft nicht mehr aus, um ihn fertigzustellen. Ich sehe das Blatt und eine Zeile ihre typische Handschrift im Traum vor mir, und eine starke Sehnsucht nach ihrer Anwesenheit überschwemmt mich plötzlich. Unvermittelt wird meine Aufmerksamkeit jedoch von etwas anderem beansprucht: ich öffne einen Briefumschlag und ziehe eine CD hervor, auf der sich eine Collage von Elsas lyrischen Texten und einigen Musikstücken befindet. Die CD hat ein rotes Cover, auf dem in großen orangen Buchstaben „Elsas Nacht(b)revier“ steht. Ich nicke anerkennend mit dem Kopf. „Nun hat sie ihr Versprechen eingelöst!“, ist mein erster Gedanke. Der Bitte von einigen anderen anwesenden Personen, die CD abzuspielen, komme ich gerne nach. Ich gehe über eine Treppe in das Erdgeschoß und lege sie in den CD-Player ein. Als ich wieder nach oben komme, schallt es mir entgegen: „Lauter! Wir hören ja gar nichts!“ Wenig später gelange ich in einen Seitenflügel des weitläufigen Hauses, in dem ich mich aufhalte. Dieser Trakt wird von Geistern bewohnt, wie ich aus früheren Träumen weiß. Ich muss eine kleine Abstellkammer absperren und beeile mich, bevor ich wieder Geister zu sehen bekomme. Um so verwunderter bin ich, als ich zwei Freundinnen im Raum sehe, die dort auf dem Boden sitzen und völlig ins Gespräch vertieft sind. Offensichtlich wissen sie nichts von den bösartigen Geistern, und ich frage sie zögerlich: „Kommt ihr zurecht? Darf ich hier absperren?“ Beide nicken unkonzentriert. Als ich die Flügeltüren der Kammer schließe, bemerke ich, dass sie aus schwarzem, glänzendem Ebenholz geschnitzt und mit klassisch-strengen Ornamenten versehen sind.

Haschisch

In einem Raum mit rötlich schimmerndem Holz an den Wänden sitze ich auf dem Sofa und breite meine Utensilien zur Vorbereitung eines Joints vor mir auf dem Couchtisch aus. Ich klebe das Papier zusammen und greife in einen losen Haufen Tabak, der auf dem Tisch liegt. Nur das Haschisch, die wichtigste Zutat, fehlt mir. Als ich einen halb angerauchten Joint aufdrösele, entdecke ich kleine, schwarze Kügelchen, deren Menge ausreichend sein könnte. Als ich auch im losen Tabak ein kleines Stück entdecke, ziehe ich es heraus und drehe es im Licht hin und her. Ich bin von seiner seltsam gemusterten Oberfläche und seiner giftgrünen Farbe irritiert. Ich zögere, es zu verwenden und glaube, dass es schon in geringen Mengen ein heftiges Rauscherlebnis auslösen könnte. Andererseits ist es gerade das, was mich daran so fasziniert.

Theaterstück

Ich entdecke ein verstaubtes Bücherregal, das mir bisher nicht aufgefallen ist, und werfe einen Blick auf die Buchrücken. Zu meiner Verwunderung handelt es sich um die verlorene Bibliothek meines älteren Bruders. Auf einem Regalboden verdeckt ein Stapel Zeitschriften die Bücher, und ich lege den Stapel auf den Boden. Ein Schauer duchläuft mich: dahinter sind nicht nur Reclam-Ausgaben, die mein Bruder handschriftlich kommentiert hat, sondern auch mehrere Tagebücher. Ich nehme ein gebundenes Notizbuch aus dem Regal und schlage es auf. Sein Einband ist wunderschön gemustert, und im Inneren enthält es eine gedruckte, persönliche Widmung mit schwarzem Rand und einem Foto, die als Beiblatt in die Innenklappe gesteckt wurde. Die Widmung stammt aus dem Jahr 1966 und zeigt auf dem Schwarzweissfoto ein kleines, lächelndes Kind mit blonden Haaren, das eine Latzhose trägt und auf einer Anhöhe steht. Außerdem ist auf der ersten Seite eine kleine, lederne Tasche mit Druckverschluss angebracht, die mit allerlei Krimskrams vollgestopft ist. Ich höre die Stimme meiner Mutter, die sich darüber beschwert, dass mein Bruder noch nie Ordnung halten konnte. Ich finde jedoch keine Notizen meines Bruders. Als nächstes ziehe ich einen zerfledderten Reclam-Band aus dem Regal, der mit mit handschriftlichen Anmerkungen meines Bruder gespickt zu sein scheint. Er enthält zwar Spuren von Bleistifteinträgen, aber alle Anmerkungen wurden fein säuberlich herausradiert. Ich spüre ein leichtes Unbehagen und denke an die emotionale Barriere, die mein Bruder um sich errichtet hat und die schließlich zu seinem Wahnsinn führte. Auf einer malträtierten Seite sehe ich sogar den Abdruck meiner eigenen Handschrift, die die Buchstaben in großen Kringeln ausführt. Bei dem Reclam-Band handelt sich um ein Theaterstück, das wir zwar einstudiert, aber nie aufgeführt haben, und aufgrund dieser Erinnerung finde ich mich plötzlich in den Proben wieder. Im ersten Akt spiele ich einen Connaisseur, der sich mit drei anderen Herren (darunter ist auch mein Bruder, der ebenfalls auf der Bühne steht) unterhält. Im nächsten Akt gebe ich einen faschistischen General in einer grauen Uniform, der eine (orientalische?) Stadt erobert hat und einen Trupp Soldaten auf der Bühne herumkommandiert. Ich trage ein Monokel, Reitpeitsche, Reithosen und Reitstiefel. Und während ich mich selbst aus einer Ecke der Bühne beobachte, denke ich über den Begriff „Teichoskopie“ nach.

Das Ablaufbecken

Ich bewohne im ersten Stock eines unbekannten Hauses ein Zimmer, das feucht und mit dunklen Rattanmöbeln vollgestellt ist. Im Zimmer sind mehrere Pflanzen verteilt, die ich gießen will. Einige sind bereits halb eingegangen, obwohl ich sie immer genügend mit Wasser versorgt habe. Als ich meinen Kopf nach links wende, sehe ich einen Gummibaum, der sehr fleischige und grüne Blätter trägt. Es ist aber auch keine besondere Kunst, einen Gummibaum zu pflegen, halte ich mir vor. Ich betrete das Badezimmer, um Wasser zu holen, und entdecke anstelle meiner kleinen, blauen Gießkanne eine große grüne, die 10 Liter faßt. Diese Gießkanne muss mir wohl jemand absichtlich hingestellt haben. Die blendend weiße Badewanne ist bis zum Rand mit klarem, eiskaltem Wasser gefüllt, und ich fröstele bei der Vorstellung, darin zu baden. Als ich meine Hand aber an die Stelle lege, unter der sich die Wasserleitungen befinden, fühlt sich die Wanne angenehm warm an. Es gibt also warmes Wasser! Ich tauche die Gießkanne in die Badewanne und bemerke links neben der Wanne ein kleines Ablaufbecken, das in den Boden eingemauert wurde. Offensichtlich sollte hier eine Dusche entstehen, aber das Becken ist völlig falsch gesetzt und befindet sich nun direkt unter der Mansarde. Wo soll denn hier eine Duschkabine Platz finden? Daneben entdecke ich einen dicken Betonwulst, der mit einer himmelblauen Farbe angestrichen wurde. Und während die Badewanne und das Ablaufbecken sehr nobel und teuer wirken, kann ich über den stümperhaften Einbau des Beckens und den Betonwulst nur den Kopf schütteln.

Ehe

Aus irgendeinem Grund bin ich plötzlich mit D., meiner ersten Freundin, verheiratet, und ich bin mir nicht ganz im Klaren, was mich zu diesem Schritt bewogen hat. Wir leben zwar zusammen in einer Wohnung, aber es ist eine merkwürdige Ehe, die wir führen – denn eigentlich gehen wir völlig getrennte Wege, und außer dem Trauschein scheint uns nicht viel zu verbinden. Im weiteren Verlauf des Traums liege ich gemütlich auf dem Bett und sehe D. zu, wie sie sich wieder einmal hektisch für eine ihrer geheimen Verabredungen umzieht und schminkt. Unvermittelt frage ich sie: „Sag mal, D., liebst du mich?“ Sie sieht mich kurz an und antwortet dann genervt: „Nein, Bernhard, das habe ich dir jetzt bestimmt schon hundert Mal erklärt.“ Wieder in das Kopfkissen zurückfallend, erwidere ich in süffisantem Ton: „Dann können wir ja das alles hier auflösen.“ Ich bin sehr zufrieden mit mir, da ich endlich beginne, die richtigen Fragen zu stellen.

Politische Diskussion

Ich nehme an einer Betriebsversammlung teil, in der verschiedene Standpunkte referiert werden. Der Referent steht dabei vor den versammelten Kollegen, die wie in einer Schulklasse hinter geschlossenen Bankreihen Platz genommen haben und sich Notizen machen. Die Stimmung ist erhitzt, und die Diskussion wird nicht nur mit dem Referenten, sondern auch unter den Kollegen mit großer Schärfe geführt. Besonders fällt dabei eine Frau aus der letzten Reihe auf, die unwidersprochen nationalistisches und rassistisches Gedankengut von sich gibt. Das betretene Schweigen unter den Kollegen ist Ausdruck davon, wie peinlich ihnen die Situation ist. Ich ringe mit mir selbst, ob ich mich zu Wort melden soll. Der Leiter der Veranstaltung erteilt mir indirekt das Wort, indem er meinen Namen nennt. „Sehen Sie“, sage ich, indem ich mich umdrehe und direkt an die Frau wende, „wenn ich in ein fremdes Land komme, erwarte ich auch Sicherheit, Gastfreundschaft und Entgegenkommen. Ebenso sollten wir die Menschen, die zu uns ins Land kommen, empfangen.“ Ich bin heiser, und das Sprechen bereitet mir Schmerzen; je mehr ich mich anstrenge, um so mehr verwandelt sich meine Stimme in ein Zischen. Aber dem Standpunkt der Frau zu widersprechen, ist mir zu wichtig, und ich spüre, wie mir der Zorn die Röte auf die Wangen treibt. Ich stehe auf und ernte für meine Rede Beifall und Zustimmung. Einige klatschen sogar. Später, als die Frau ihr Referat hält, verwickeln wir uns erneut in ein Streitgespräch. Ich weiß nicht, wie wir plötzlich dazu kommen, die Lage in Marseille mit der Lage im Irak zu vergleichen. „Marseille ist nicht Irak!“, bringe ich mit meiner heiseren Stimme vor. „Oh, beim nächsten Mal bringe ich Ihnen Statistiken mit, die belegen, wie hoch die Kriminalitätsrate in Marseille ist. Sie würden sich wundern.“ Diese Sturheit und Unnachgiebigkeit ärgern mich, und ich entgegne ihr: „Ich sehe schon, Sie haben Ihre Meinung, und ich habe meine Meinung. Unsere Standpunkte sind eben nicht vereinbar.“ Daraufhin springt sie auf, als hätte ich sie in ihrer Ehre angegriffen. Ich sehe, dass sie rote, schwarze und weiße Strähnen in ihren dunklen und langen Haaren trägt, die die Farben der Reichskriegsflagge symbolisieren sollen. Mit einem lauten Knall schlägt sie die Tür zur Toilette hinter sich zu. Der Leiter der Veranstaltung grinst und scheucht sie mit einer Geste der Hand aus dem Raum.

PS: Einige Elemente des Traums lassen sich zum einen mit dem Film „Der neunte Tag“ erklären, den ich gestern auf Arte sah, und zum anderen mit einem Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeit, in dem die französischen Präsidentschaftskandidaten vorgestellt werden („Zeigt her eure Fahnen“ von Michael Mönninger). Es wird deutlich, dass die Besinnung auf Nationalsymbole im Wahlkampf immer wichtiger wird. Unter anderem gehört dazu natürlich auch das Absingen der Marseillaise und die Trikolore.

Allerlei Unsortiertes

Das Weltkulturerbe zeigte sich heute wieder von seiner besten Seite – Wind, blauer Himmel, schöne Frauen. Auf den Plätzen mit Aussicht herrschte heute schon ein Getümmel, als hätte der Sommer bereits Einzug gehalten. Dabei fror ich gestern noch ganz erbärmlich. Es gab so viele Kleinigkeiten, über die ich mir heute den Kopf zerbrach, dass mir beinahe die Lust verging, irgendetwas davon festzuhalten – immer wieder die unnötigen Missverständnisse, die falschen Bilder und Rollen, die belastenden Verpflichtungen. Ich drehe mich gedanklich im Kreis. Es fehlt mir die Gelegenheit, mich auszutauschen, und meine e-mails laufen derzeit ins Leere. Es dauert Jahre, um so etwas wie Vertrauen aufzubauen, aber oft genügt ein Wort, um alles zu zerstören. Wo ist bitteschön das rote Telefon? Manchmal fühlt es sich so an, als liege nicht nur ein Weltmeer, sondern ein ganzes Universum zwischen meiner und anderen Welten. – Im Traum entere ich die Kommandobrücke eines riesigen Containerschiffs, das langsam vom Pier ablegt. M., mein älterer Bruder, lehnt mir gegenüber an der Wand und glüht geradezu vor Aufregung und Abenteuerlust. Als ich ihn frage: „Wo fahren wir denn hin?“, antwortet er lachend: „Ja, wir haben einen langen Weg vor uns. Das Schiff legt erst wieder in Alaska an.“ Ich bin überrascht und glücklich, diese lange Reise zusammen mit ihm unternehmen zu dürfen. Seit Jahren spüre ich zum ersten Mal wieder ein Gefühl von Freiheit. Durch das Schiff laufen mehrere Wellen, die der anspringende Dieselmotor verursacht, während ich mir gleichzeitig vorzustellen versuche, wo sich Alaska auf dem Globus befindet. Ich frage mich, ob wir die Passage nördlich des amerikanischen Kontinents schaffen werden.