Verschlungene Wege

Auf der Freitreppe vor dem Eingang zum wirtschaftswissenschaftlichen Trakt treffe ich unseren weißhaarigen Abteilungsleiter mit seinem typischen gelblich verfärbten weißen Schnauzbart, der außer sich vor Freude ist, mich zu sehen. Er begrüßt mich so überschwänglich, dass ihm sein Zigarillo aus dem Mund fällt: „Hallo Herr T.! Schön, dass ich sie sehe!“ Ich hebe es spontan auf und gebe sie ihm zurück, da ich ihn mir ohne Zigarillo kaum vorstellen kann. Er schüttelt mir voller Begeisterung die Hand. Seine Freude verblüfft mich zwar, ist mir aber auch sehr suspekt, so dass ich immer mißtrauischer werde. Nachdem ich mich von ihm verabschiedet habe, folge ich der abwärtsführenden Treppe in ein extrem niedriges Kellergeschoß, das ich in gebückter Haltung durchquere. Kurz darauf sitze ich zusammen mit einigen Kollegen in der letzten, dunklen Reihe eines Hörsaals. Der Dozent nennt immer wieder meinen Namen, und ich spüre die Mischung aus Bewunderung, Stolz und Neid, die mir meine neben mir sitzenden Kollegen entgegenbringen. Ich bin äußerst vergnügt und folge der Vorlesung nur bruchstückhaft. Nach der Vorlesung gehe ich eine Straße entlang und werde von einem ehemaligen Kollegen angesprochen, der eine geheime Radiostation in einem Kleintransporter betreibt. Er setzt mir einen Kopfhörer mit Mikrofon auf, der mich einengt und mir Kopfschmerzen verursacht, und spielt an den Reglern eines uralten Funkgeräts herum. Es dauert einige Zeit, bis ich begreife, was er mit dem Funkgerät und seinem Piratensender beabsichtigt. Rauschverzerrt höre ich die Stimme einer Schwester aus dem Klinikum, die uns beide um einen rechtlichen Ratschlag bittet. Ich finde es sehr anstrengend, meinem ehemaligen Kollegen zu folgen, der mir ununterbrochen etwas erklärt, und gleichzeitig kaum verständliche Brocken der Stimmen aufzufangen, die durch den Äther rauschen, und sie zu sinnvollen Sätzen zusammenzufügen. Schließlich reiße ich mir den Kopfhörer vom Kopf und verlasse meinen ehemaligen Kollegen wieder. Kurze Zeit später stehe ich vor dem weißen Bedienpanel eines Dialysegerätes und drücke aus Spaß auf einen Knopf. Im grün leuchtenden Display leuchtet daraufhin eine merkwürdige Zeichenfolge aus Schrägstrichen auf, die auf einen Fehler hindeutet. Mein Kollege, der gleichzeitig der Techniker ist, der das Gerät betreut, meint daraufhin zu mir: „Wenn du es jetzt verstellt hast, darfst du dich heute nachmittag hinsetzen und die Bedienungsanleitung lesen!“ Im Traum erscheint mir das gar nicht so schlimm.